21ter Juni 2011 – Was zur Hölle tu ich hier?

Es ist Sommersonnenwände und die Blogs füllen sich mit den obligatorischen Anspielungen zum längsten Sonnendienst. Auch wenn sich jene in diesen Breitengraden vom Regenschauer vertreten lässt, der dröhnend herniederbricht. Dem stummen Stand vor dem vollen Abwaschbecken in der Küche seine melancholische Note verleiht und die nebenan erschallende Musik maßgeblich übertönt.

Zumal ich ungern auf die gewohnte Untermalung verzichte, da auch mit dieser kein wirklicher Heidenspaß entsteht. Wendet sich doch die Sonne erneut von einem weiteren Jahr ab, dessen Zenit einem einmal mehr unter den Füßen wegbröckelt.

War man nicht erst von dem letzten Silvesterspektakel genervt worden? Soll es denn bald schon wieder so weit sein? Doch welche Frage am meisten das Gemüt erhitzt: Was zum Henker hat man mit der Zeit angestellt? Was hat man geleistet, was wurde im Lebenslauf notiert?
Hat man irgendwas veröffentlicht? Gegründet oder abgehalten? Dauerhafter Produktivität gefrönt oder anheuern können? Verkauft, betrieben oder auf die Beine gestellt und ist am Ende sogar erfolgreich gewesen?

Man tat von allem einen Scheiß. Ließ nur weiterhin unbeteiligt die Zeit zwischen den Fingern verrinnen und schafft es nicht einmal, sich mit der Gewissheit der geplatzten Ziele und Träume abzufinden. Selbst wenn, es gelang einem nicht einmal den Hintern vom Grundeis zu erheben.
Keine Kraft zum aufbegehren, keine Energie zum abfinden, allein das Umherirren in der Zwischenwelt aus Wille und Unvermögen wird einem vergönnt. Bis man nur noch mit dem Kopf gegen die Wand schlägt. Im maßlosen Takt seines Zusammenbruchs. Erneut…

Zu drastisch. Doch schaue ich verblüfft zu alljenen, die ohne Erfolg weiterhin ihre Motivation mit vollen Händen schöpfen. Die Schaffen für ein Irgendwann. Die dem lieblichen Optimismus verfielen, dass sich alles auszahlt. Eine Tages, vielleicht.

Wenn ein Vielleicht überhaupt existent ist. Sich nicht nur als abstrakter Euphemismus herausstellt. Ein verbales Antidepressivum in einer Welt des Jetzt oder Nie.

I wish I was special
You’re so fucking special

But I’m a creep
I’m a weirdo
What the hell am I doing here?
I don’t belong here

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