Gothic Friday 2016 – Because normal sucks

Zugegeben, ich bin dezent verblüfft. Da wird schon ein Thema in den Raum geworfen, bei dem ich der Gothnation das verfassen ganzer Essays unterstellen würde. Und dann wird sich bei der Ergründung der eigenen Oberflächlichkeit so schamlos ausgeschwiegen. Was ist geschehen? Warum dieses hüllenlose Schweigen?
Nun, ich bin inmitten der Prüfungszeit. Zumindest indirekt. Denn so wirklich betrifft das nur meine Schützlinge. Aber Arbeit macht es dennoch, sowie einige andere Projekte. Hinkommend eine Hausarbeit und, der Eisheiligen zum Dank, ein unerwarteter Einschnitt in die Gesundheit. Und was ist Eure Ausrede? Einzig das WGT? Ach kommt…

 
Ist die visuelle Orientierung überhaupt wichtig?

 photo SG1S4958x_zpseajvnmwl.jpg Einer meiner damaligen Dozenten hatte seine Vorlesungen mit den Worten: »Design ist Dasein« eingeleitet. Ein Zitat, das sich seitdem in mein Hirn eingebrannt hatte, auch wenn ich längst den Namen des Dozenten vergessen habe. Und wenn man den Gedanken einmal weiterentwickelt, oder aber auch mehr Gedanken über das Wesen des Menschen zulässt, so kommt man zu dem Schluss, dass das Dasein Kommunikation bedeutet. Generell, und besonders auf den Menschen bezogen.
Kommunikation, welches fast schon konditioniert die unwiderlegbare These mit sich führt, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Zumindest innerhalb des Lebens. Sei es innerhalb der Flora oder der Fauna. Und wenn man diesem eine Sonderstellung zugute kommen lässt, erst recht nicht innerhalb des Menschen. Kommunikation als Naturkonstante. Kommunikation als Persönlichkeit. Die Art zu reden, Worte zu formen, Mimik und Gestik zuzulassen, und sei es nur unterbewusst, all das unterstreicht unseren Charakter. Wenn auch fataler Weise zumeist nur innerhalb der Schemen des Standards. Innerhalb der Verhaltensrelikte unserer Ahnen. Weshalb man den Menschen, ab einer gewissen Schulung innerhalb von Psychologie und Körpersprache, wie ein offenes Buch lesen kann. Jedoch lag dieser Umkehrschluss nicht in meiner Absicht, sondern eher der Rückschluss zum anfänglich gesagtem: Design ist Dasein.
Wirft man alles in einen Argumentationstopf, so kristalliert sich eine Überlegung heraus: Design ist Persönlichkeit. Zumindest in meinen Augen. Denn der Mensch gestaltet -neudeutsch designt- fortwährend. Sei es sich, seine Umwelt und damit auch maßgeblich seine Partner. Unterwirft diese, und den ganzen Rest, seinem Empfinden von Ästhetik und seinem Willen. Sei dieses unbewusst oder eben in voller Absicht der Individualität. Somit dürfte sich ein jeder eingestehen müssen, dass er, trotz vermeintlicher Missachtung sämtlicher visuellen Orientierung, genau dieses damit allzu offenkundig zur Schau trägt. Jeder Stilbrecher oder Stilmißachter unternimmt dieser im vollen Bewusstsein, will damit etwas zum Ausdruck bringen. Und unterwirft sich somit der visuellen Orientierung.

 
Welche Accessoires sind unumgänglich?

Wenige. Zwar würde ich mir beispielsweise ohne Hose außerhalb der Wohnungstüre blöd vorkommen, doch diese Einstellung unterstelle ich nicht alleine dem Hang zu jener schwarzen Szene. Das einzige ist, dass ich mir mit freien Handgelenken faszinierender Weise allzu nackt vorkomme. Ich brauche den optischen wie haptischen Bruch zwischen Unterarm und Hand, die »Bandagierung« der Handgelenke, sonst fühle ich mich unwohl. Woher das kommt? Wahrscheinlich Gewohnheit. Ebenso wie ich es allzu liederlich finde, wenn die Hosenbeine über den Schuhen schlackern und nicht ordnungsgemäß im Stiefelschaft verschwinden.
Sonstige Accessoires… zugegeben, ohne die Tattoos gehe ich nunmehr selten aus dem Haus. Um nicht zu sagen: Gar nicht. Mit den Piercings verhält es sich auf gleicher Weise. Aber wer tut das schon. Zumal, und ich schätze, da spreche ich für viele, wenn man wieder einen Reinigungstag einlegt und dafür sämtliches Blech aus dem Gesicht verbannte, man sich doch irgendwie fremd vorkommt.
Ein Accessoire, das allerdings der Aufgabenstellung gerecht werden dürfte, ist meine Kette. Als Sinnbild für mehrere Epochen meines bisherigen Lebens, ist diese ständiger Begleiter. Bisweilen indirekter Glücksbringer, auch wenn ich wenig für solchen Glauben übrig habe. Getragen wird dieses fast immer. Auch dieses würde mir sonst fehlen, besonders bei Tanktops. Früher selbst beim Training, schlafen, mit und ohne »bei«, und duschen. Doch des Materials zu liebe, hängt diese nun während dieser Zeiten am Hacken.
Was dieses im genauen darstellt, sind einerseits das Templerkreuz, die Hundemarke von »Arch Enemy« und darüber der Babylonische Baum des Lebens. Welchem Bezug diese Dinge neben ihrer nüchternen Bedeutung als Symbol unterliegen, das sei an dieser Stelle Verschlusssache.

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Habt ihr Styling-Vorbilder oder Inspirationen?

Johannes Lukas Vorbilder? Inspiration… Ob ich Dinge interessant finde oder mir Kleidungskombinationen absolut nicht zusagen, darauf komme ich schon selber. Dafür brauche ich keine indirekten Berater. Doch ich gebe zu, dass ich in einem anderen Spektrum sehr wohl eine Art Vorbild besitze. Eine Inspiration und Ansporn. Und zwar in Sachen Körperbau, für den stellvertretend Johannes Lukas sowie Goko herhalten dürfen. Geht es mir hierbei doch weniger um gänzlich aufgepumpte Bühnenberserker. Sondern einfach nur um die stattliche Statur als Schrank.
Natürlich werde nun die meisten Leser das Gesicht verziehen. Das ist mir klar. Manche ihm, und vielleicht gar mir, angeekelt in Gedanken an den Kopf werfen, dass so viel Muskelmasse jenseits der Ästhetik liegt. Und da ich beim WGT nicht annährend solche Bullen gesehen habe, schätze ich auch, dass das die allgemeine Stimmung im schwarzen Milieu sein wird. Verhält sich doch der Goth zur Muskelmasse ungefähr so wie »My Little Pony« zur Männlichkeit. Und mir soll das sogar Recht sein. Schließlich bleibt man dadurch ein wenig nonconform zu den Nonconformen.
Etwas, dass mich dahingehend allerdings gelegentlich frustriert, ist, dass ich mit dem Sport zu spät in die Liga der Erfahrenen vorstieß. Zu spät, um noch einen solchen Körperbau erreichen zu können. Zumindest schätze ich, dass mir der, ab dem 30igsten Lebensjahr, stetig sinkende Testosteronspiegel, die Sache extrem schwer machen wird. Schwerer, als es so schon ist, sich eine solche Statur zu erkämpfen.
Warum ich das für erstrebenswert halte? Weil eine bestimmte Muskelmasse für meine Definition von männlichem Auftreten dazugehört. Kerle wie Lauchs, deren Statur der ihrer Weibchen gleicht, nur ohne Hüfte und Brüsten, kann ich nicht ernst nehmen. Wer sich so wohlfühlt, bitte. Ich für meinen Teil brauche es für mein Selbstbild entweder drahtig oder massiv. Und da »drahtig« für mich schwerer zu erreichen ist…

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Zudem will ich nicht zu denen gehören, die später nur noch mit Rollator über die Wege schlürfen können. Da ihre proteinlose Ernährung und die Missachtung jeglicher muskulärer Forderung sowie Stabilisierung dazu führte, dass es diesen nicht einmal mehr ohne Mühe gelingt, den eigenen Körper halten und bewegen zu können. Davon mal abgesehen, ich finde die Statur geil…ebenso wie das Krachen der Gewichte auf den Studioboden.

Als Hauptargument kann man jedoch anbringen: Jeden Stil kann man einfach abkupfern. Man geht in den Laden, kauft sich den Scheiß oder ordert es bei Amazon, während man bräsig mit Bier und Chips vor dem Monitor fläzt und darauf wartet. Dann bekommt man diesen geliefert und siehe da, so einfach wird man zum Kinderschreck oder zur wandelnden Nachttischlampe.
Dieses jedoch bekommst du nicht mal eben schnell bestellt. Dieses wühlt sich auch nicht mal an einem Nachmittag im Kleiderschrank zusammen. Oder lässt sich wieder ablegen wie das Gewandt des Wochenendgoths. Dieser Stil benötigt Jahre und darin Stunden über Stunden Schweiß, Blut, Schmerz und Disziplin. Wer jenes somit spöttisch betrachtet, dem sage ich, dass jeder Tölpel, sogar ich, in Pikes herumschlurfen könnte, aber nicht jeder stemmt auf der Bank mal eben 150kg. Es ist das animalische, das mich daran fasziniert. Sowie der tierische Trieb beim Sex, ist es hierbei der tierische Trieb nach Stärke. Der Sieg des Willens über den Körper. Der Rausch der Selbstzerstörung und das entfesseln der eigenen verdammten Bestie, die unter der Brust wütet. Für deren tägliches Freilauf, damit diese die restliche Zeit ruhig bleibt und einen am Leben lässt. Doch ich schätze mal, dieses kann man nur verstehen, wenn man beim Eisenfressen wirklich einmal Blut geleckt hat. Ich leider zu spät, aber vielleicht wird es dennoch etwas mit der Statur. Oder um es etwas philosophischer zu sagen: Friends and girlfriends may come and go, but 200 pounds is allways 200 pounds.

Ps… Den multimedialen Adrinalinkick gibt es übrigens auch in weiblich. Egal ob Bühnen-Berserker oder Crossfit-Amazone, aber die musclefactory entwirft für mich einfach die besten Motivationsvideos.

 
Wie würdet ihr euch gerne herrichten, gäbe es keine Hindernisse welcher Art auch immer?

Bezogen auf die Beantwortung der nächsten Frage: Nicht viel. Der Faktor »Zeitmangel« dürfte für solch ein ungeschminktes Klischee-Maskulinum wie mich nicht in Frage kommen. Zumal auch alles, was länger dauern würde, als die Stiefel zu schnüren, für mich als unzweckmäßig eingestuft wird. Ebenso wurde schon das Verhältnis zum »Chef« geklärt. Vor allem, da ich auf Arbeit zwar recht authentisch bleibe, aber dennoch nichts provoziere.
Interessanter Weise sind die Hindernisse allesamt anatomischer Natur. Angefangen bei den Haaren. Ich mag die militärischen Schnitte. Seien es jene der 40´er Jahre mit weggeraspelten Seiten, auf dem Schädel lang und nach hinten gelegt. Oder sei es der Flattop. Der eben so wenig einen Hehl aus seiner Aversion für seitliche Haare macht. Problem an der Sache, dafür braucht man einen noch recht geradlinigen Haaransatz, besonders um die Schläfe. Sonst wirken solche Schnitte eher peinlich als autoritär. Und ich weiß das, da ich beides letztmals im letzten Jahr getestet hatte.

Zweiter Punkt geht dahingehend an die Kleidung. Bezogen auf die Anatomie. Band-Worker-Hemden beispielsweise. Da derartiges selten auf Form geschnitten ist, brauche ich mir solche kaum mehr anzuschauen. Denn entweder muss ich die Ärmel auftrennen, um überhaupt rein zu kommen und darf nicht zu tief über den Brustkorb atmen. Oder ich kann den Stoff um Bauch und Taille erst einmal zusammenfalten, weil es sonst eher wirkt wie ein Poncho. Das beides ebenso dämlich wirkt wie es sich liest, brauche ich wohl nicht zu erörtern. Das Verhältnis von Anzugshosen von der Stange gegenüber den Oberschenkeln verhält sich ähnlich unerfreulich. Und dass ich mit meinen Waden nicht einmal versuchen brauche, halbwegs elegant 30-Loch-Stiefel zu schnüren, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Was durchaus bedauerlich ist, da ich diese Dinger mag. Doch damit muss man eben leben, wenn man sich im Volumen ein paar Zentimeter vom schwarzen Standard-Stängel unterscheidet. Da diese entweder der Eigenschaft »hager«, »speckig« oder »fett« unterliegen. Und für diese auch etwas getan wird. Nur eben seltener für den, der gerne einmal mit schwerem Gewicht um sich wirft.

 
Wie hat sich euer Stil über die Jahre verändert?

Schwarz bleibt schwarz bleibt bundeswehr-grün. Und seitdem ich den Stil mit 18, 19, Anfang 20 endgültig gefunden hatte, gab es auch keine Veränderung mehr. Dieser ist eben erfreulich pragmatisch, robust wie brachial. Wenn man die TankTops dazu ästhetisch werten möchte, dann wohl etwas prollig. Und warum ändern, wenn es das ist, was einen definiert. Änderung unterstellt eine vorhergehende Unzufriedenheit. Und das ist bei mir nicht der Fall. Zumindest nicht mit dem Stil. Einzig der Körper unterliegt ewigem Wandel. An dem wird seit nun einem Jahr energisch geschliffen. So dass aus dem unqualifizierten Gehampel endlich wirkliches Training wurde. Kann sein, dass dieses eine Abänderung der Gesamtwahrnehmung nach sich zieht. Wirkt doch ein Oberarm mit 43cm Umfang in einem Poloshirt anders als einer mit 25cm. Aber letzten Endes bliebe der Stil der gleiche. Paramilitärisch, robust und pragmatisch. Fern jeglicher schwülstiger wie sentimentaler Sinnlichkeit. Und mal schauen, vielleicht finde ich auf den Festplatten noch ein paar rare Aufnahmen zum verdeutlichen…
 
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Nun, wen es interessiert, ich habe ein wenig gefunden:
 
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Schätze, das müsste so zwischen 1999 und 2000 gewesen sein.

 
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2008.
 
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2te Spontistreffen…
 
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Um 2009 – 2012.

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