Konzil Teil II – Konz, Konzer, Konzianer

Photobucketonzianer, so zumindest nennen sie sich liebevoll wie scherzhaft. Die Gemeinte der Urköstler und Urkostkinder, die unerbittlich missionierend dem gemeinen Neuzeit-Schlechtkostmensch von seinem Leiden erlösen wollen. Konzianer? Man kennt es von anderen Sparten, in denen der Voranglaubende derartig erhoben wird -oder sich erheben lässt- dass man sich im parareligiösen Eifer mit dessen Namen schmückt. Und ich sage euch, geschätzte Guldhisten-Gemeinde, das glänzt nicht gerade von Bescheidenheit. Eben so wenig steht eine derartige Namensgebung für Objektivität und Gelassenheit gegenüber Gegenargumenten. Das ist aber erst einmal nur rein hypothetisch.

Das Streben nach Wahrheit ist etwas tief Menschliches. Geradezu Urtümliches. Somit ließ ich einen Vormittag lang meine anderen Arbeiten ruhen und widmete mich erneut dem großen Gesundheitskonz, von 1998. Grund dafür war mein vorhergehender Artikel, den ich natürlich nicht im Raum stehen lassen möchte, ohne mich angemessen tief in die Materie hineinzulesen. Denn nur an der Oberfläche gekratzt, könnte es ja möglich sein, dass manche Wortwahl meinerseits recht unpassend war. Möglich, aber eher unwahrscheinlich.
Außerdem faszinierte mich schon jener Kerngedanke im Impressum:

»Der Verfasser . . . . . . . . . . . . hat – wie kaum ein anderer – keine noch so schwierigen Recherchen und Mühen gescheut, dieses Werk so gründlich, logisch, nachweisbar und provokativ zu schreiben, daß es die Götter in Weiß und die sie anbetenden kranken
Menschen zum Nachdenken zwingt. Solches kann nur gelingen, wenn man sich nicht scheut, die volle Wahrheit zu sagen, und – sie zu dokumentieren vermag. Wie hier in diesem Werk geschehen.«

Meine Güte, was für eine rührende und tiefste menschliche Aufopferung prangert mir da entgegen. Tat ich dem großen Gesundheitskonz etwa unrecht? In ebensolchem Nichtscheuen von schwieriger Recherche und Mühe, möchte ich diesem auf dem Grund gehen. Und siehe da, das Buch wurde gesetzt und redigiert. Somit 1 zu 0 für das vor mir liegende »Konzil«.

Da ist man jetzt angespornt hoch motiviert bzgl. des bevorstehenden Lebenswandels und bekommt schon das erste Stopschild über den Schädel gezogen:
»[…]Du mußt vorher wissen, warum und wieso Dir die UrTherapie die Gesundheit bringen wird. Wenn Du nicht vorher vollkommen von deren gesundmachender Wirkung überzeugt bist, wirst Du – so ist meine Erfahrung – keinen Erfolg haben.[…]«

Zu dumm. Aber warum sollte ich mich dann durch mehr als 1.400 Seiten quälen, wenn ich das darin beschriebene eh schon vorher wissen muss? Um das Buch protzend wie ungelesen im Regal aufzubahren oder einfach nur, um diesem Verein zu spenden. Wenn ich ein Sachbuch zum Verbreiten einer Philosophie und einer neuen Lebensweise herausgebe und dabei schon zugebe, dass der Inhalt so schwach ist, dass er nicht den skeptischen Leser zu überzeugen vermag, dann hätte ich mir die Mühe auch sparen können. Denn bekanntlich kann man den Blindgläubigen alles auf einfacherem Wege erzählen.

gkIm Prinzip ist das Buch recht locker geschrieben. Gerade zu kumpelhaft oder großväterchenmäßig. Was immer funktioniert, wenn man seine Botschaft mittels Sympathie noch stärker einzutrichtern versucht. Ab und zu durchpflügen gekennzeichnete Merke-Sätze die Kapitel, welche doch recht schulmedizin -pardon- schulmeisterisch wirken. Zudem wird mit dem geneigten Leser gelegentlich ein vermeintlicher Dialog abgehalten, dem es aber an sämtlicher argumentativen Vielfalt fehlt. Da dieser mir -als geneigter Leser- meist nur Worte des Pros und Einverständnis in den Mund legten, die ich so gar nicht denken würde.

»[…]Es gibt heutzutage über 200.000 verschiedene moderne Medizinformen und Medikamente in der Welt. Bei uns allein sind es über 60.000. Die UrMedizin aber ist so alt, daß niemand sie aufzeichnen konnte, weil die Menschen zu jener Zeit noch keine Schrift kannten. Sie stammt aus der Urzeit.

»Und wie bist Du daran gekommen?«

Ich hab’ sie mit meinem gesunden Menschenverstand entdeckt. Obwohl sie also so alt ist, stellt sie doch etwas völlig Neues für uns heutige Menschen dar, denn bisher ist noch niemand auf die Idee gekommen, sie für Gesundungs- und Heilzwecke einzusetzen.

»Und wann kann ich mit den ersten Gesundungszeichen rechnen, wenn ich sie einnehme?«

Im allgemeinen nach zwölf Wochen.[…]«

Was für eine Argumentationskette. Da wettert man pauschal gegen die Medizinlobby, welche bewiesener Maßen nicht nur aus Profitgeiern und Schlächtern besteht und all das auf welcher Grundlage. Eine Urmedizin, die keine fundierten Niederschriften besitzt, keine Dokumente, sondern sich allein in den Hirnwindungen eines einzelnen Menschleins zusammengesetzte. Auf die Knie vor dessen Genie. Mit dem er es vermag, Jahrhunderte an Forschung und auf Naturgesetze fußender Beweiskraft zu entheben und der Lügerei zu bezichtigen. Man sollte nicht über Wunderheiler, Medizinmänner und Ärzte meckern, wenn man einen Kritikpunkt davon selber erfüllt.

»[…]Paracelsus nahm also eine altarabische Medizinerpraxis wieder auf, erkrankte menschliche Organe durch den Verzehr entsprechender Innereien eines Tieres zu behandeln. Das fand in den deutschen und französischen Landen soviel Anklang, daß alle, die es sich leisten konnten, damals die Innereien von Tieren schon vorsorgehalber in großen Mengen verzehrten. So haben wir den verhängnisvollen Fleischverzehr (denk an BSE!) letztlich den Medizinern zu verdanken![…]«

Fassen wir den Inhalt kurz in einem Satz zusammen: Inneren sind Fleisch und der Eiszeitmensch, der ja an Eisblumen hätte lecken können, um nicht krank zu werden, jagte Mammuts aufgrund der Ratschläge des Paracelsus. Da wäre ich mit meinem beschränkten Horizont wirklich nicht draufgekommen. Und wir verdanken also den BSE-Fleischverzehr der Medizin… Abgesehen von dem nicht unwesentlichen Detail, dass ab Bekanntgabe von BSE die Medizin vor Rindfleischverzehr warnte und zumeist nur die Landwirte weiter werbend mobil machten. Und abgesehen davon, dass durch eingeleitete Maßnahmen der Medizin diesem »Rinderwahn« mehr und mehr der Untergang bevorsteht…Aber das sind, wie gesagt, unwesentliche Details.
So sehr Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus, auch seinen Fehleinschätzungen erlag. Er starb übrigens, aufgrund seiner Selbstversuche, an Bleivergiftung. (Mit der Absicht böses zu tun, lasse ich mich bestimmt nicht zu Selbstversuchen hinreißen) So gab er auch so manche langlebige Weisheit von sich:
»All Ding’ sind Gift und nichts ohn’ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist«
Dessen Wahrheitsgehalt ist wohl nicht zu leugnen. Und auch ganz gut zu übertragen: Grünzeug kann dich retten. Nur Grünzeug kann dich umbringen.

Die Medizin hatte in ihrer Entstehungsphase recht finster Kapitel. Aber es ist ein allzu menschlicher Drang beim Aufbauen neuer Erkenntnisse auf Extreme zurück zu greifen. So zeigt uns ein Blick in vergangene Kapitel sämtlicher -und damit nicht nur medizinischer- Sparten, dass Epochen des Entdeckens und Austestens zuweilen auch von Zeiggenossen genutzt wurden, die allein im Eigensinn handelten. Die Unwissenheit spielte ebenso eine Rolle wie skrupelloser Geltungsdrang. Aber darf man damaligen Denkern ihre Unwissenheit vorwerfen, wenn sie im Grunde doch ehrenwert handeln wollten? Eine ethische Frage, die leichter zu beantworten aussieht, als sie in Wirklichkeit ist. Aus heutiger Sicht wirkt natürlich einiges von damals lächerlich wie bösartig. So lebte die Landbevölkerung gesünder, da sie sich nicht den Gang zum städtischen Medikus leisten konnte. Und später wird es auch einigen der heutigen Denkweisen so ergehen, dass sie für unzumutbar gehalten werden. Das ist der Lauf der Dinge, vor dem niemand befreit ist. Spätestens, wenn man womöglich beweisen kann, dass reihenweise reinblütige Naturkostkinder aus den Latschen kippen, weil sie keine Chance besaßen diese Ernährung zu kompensieren -wie zum Beispiele ihre Eltern, dessen Körper von Depots vor der Rohkostverschlingerei zerren konnte- spätestens dann wird Herr K. sich auch neben die Scharlatane einreihen dürfen, die zu ihrer Zeit meinten das richtige getan zu haben.
»Nein«, sagst du; »Das ist doch alles Lüge.«
Möglich, aber ich würde lieber dem glauben, der weniger auf seine Richtigkeit besteht. Da dieses von mehr Weitsicht und weniger Scheuklappendenken zeugt. Mit anderen Worten, es wirkt sachlicher und überlegter.

»Die Mayas hängten die Kranken über offene Feuer und ließen sie deren Rauch einatmen, wovon sie sich Heilung versprachen. Diese Tradition finden wir ebenfalls noch bei uns wieder: wenn wir Kamillendampfbäder gegen den Schnupfen anwenden.«

In der Tat und wenn ich Wunden mit Teebaumöl behandle, so erinnert mich das an die Zeit, als man sich mit dem Saft ausgepresster Kröten einrieb. Oder ein Bad in Thymian geht auf den angeblichen Brauch der Blutgräfin zurück, die ihre Wanne mit dem Blut von Jungfrauen füllen lies. Na wenn das nicht »granatenmäßig recherchiert« (O-Ton Kalkofe) ist.

»[…]Es ist nicht zu fassen: Du siehst das göttliche Wunder des Wachsens und Gedeihens unter Deinem Herzen als eine Krankheit an – und rennst zum Arzt! Rennst zu einem Menschen, der tagtäglich mit nichts anderem als mit Krankheiten beschäftigt ist und Dich auch gleich so behandelt und an seine krankheitsuntersuchenden gefährlichen Apparaturen anschließt…[…]«

Es ist wirklich nicht zu fassen, was sich die heutige Mutter so alles erdreistet. Und ich muss ebenso zu stimmen, dass ich es frech finde. Schließlich kann ich es mir als Mann doch erlauben, darüber ein Urteil zu fällen. Der werdenden Mutter das Recht anzuprangern, sich während der Schwangerschaft über den Gesundheitszustand sowie der Entwicklung ihres Kindes zu erkundigen. Sich auch darüber zu informieren, dass sie durch eventuelle Krankheiten nicht dem Kind schadet. Aber es ist wirklich die Höhe, dass werdende Mütter die natürliche Auslese regeros ignorieren. Dass sie sich von der Medizin helfen lassen, wenn das Kind quer liegt oder gar komplett verdreht. Anstatt das Recht zu beanspruchen, bei den draus resultierenden Komplikationen während der Geburt durch Schwäche zusammenzubrechen und mit dem Kind abzutreten oder gar zu verbluten.
Ebenso so die spannende Frage: Na, warten schon die aasvertilgenden Vieren und Bakterien ungeduldig und raffen die Mutter an Kindbettfieber dahin. Es ist natürlich nicht abzustreiten, dass die damaligen Geburtshäuser Grund für den rapiden Anstieg dieser Todesfälle waren und es bei Hausgeburten doch recht selten vorkam. Aber wie gesagt: selten. Hätte es mich dahingerafft, so wäre für mich »selten« schon zu oft gewesen.
Konz führt in diesem Zusammenhang Dr. Ignaz Philipp Semmelweis. Und man muss Konz recht geben, dass Semmelweis zu den größten Pionieren der Medizingeschichte gehört, dessen Wirken und Bedeutung zu Lebzeiten mehr als verkannt wurde, sodass seine Hygienevorschrift ihm sogar das Leben kostete. Allerdings, und das stand wohl der konzschen Argumentation im Weg, war er nicht nur Missgunst und Anfeindung ausgesetzt. Manche Ärzte sahen sich aufgrund dieses Beweises sogar so sehr mit ihrer eigenen Schuld konfrontiert, dass sie sich das Leben nahmen.
Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass die Ärzteschaft der Modeerscheinung des Kaiserschnittes nun den Riegel der Notwenigkeit vorschiebt. Somit muss dieser wieder medizinisch begründet werden, da die natürliche Geburt dem Kind eine bessere Vorraussetzung für eine Grundresistenz verspricht. Demzufolge ist die Medizin ja bestrebt auf dem Boden des Natürlichen zu bleiben. Und seitdem durch die Praxen auch der beruhigende Wind der Vernunft weht, sollte man lieber dessen Richtung folgen. Schließlich ist es vermessen, einen Arzt nur auf seinen Umgang mit Krankheiten zu reduzieren. Oder würde es dem Konzianer gefallen, nur mit dem Obstfressen in Verbindung gebracht zu werden.

Ich möchte nicht ebenfalls den Fehler machen und dieses unnötig in die Länge ziehen. Zumal man bei genauer Betrachtung fast 2.000 Seiten verfassen müsste und einige stellvertretende Zitate fand schon im vorhergehenden Artikel Erwähnung. Aber ein Aspekt soll es noch sein, der mir interessant erschien:

»[…]Der Körper ist auf genau die Menge Insulin eingestellt, die er just zu seiner Verdauungsarbeit braucht. Die Insulininjektion gibt dem Kranken aber immer die gleiche Menge ins Blut – gleich, ob er viel oder wenig ißt.

»Immerhin: wenn es das Insulin nicht gäbe, müßten sie sterben!« sagst Du.

Nun, das will die Natur ja, das ist ja ebenfalls Sinn gefährlicher Krankheiten – soll die Welt in ein paar hundert Jahren nur aus Zuckerkranken und Insulinfabriken bestehen? Du weißt wohl auch, daß Diabetes erblich ist.

»Sicher, aber Du würdest wohl genau so wenig an die nachkommenden Generationen denken wie die Zuckerkranken, wenn Du vor der Entscheidung stündest, früh ins Gras zu beißen oder Insulin zu spritzen.«

Da bist Du aber schief gewickelt! Ich würde mein Leben doch nicht von einem Tier- oder Chemieprodukt abhängig machen! Es sind Fremdstoffe, die da in einen gelangen, die ständig Antikörper erzeugen. Das verkraftet auf Dauer kein Körper! Ich würde meine Selbstbehandlung mit der UrMedizin aufnehmen, weil ich weiß, dann kommt alles von selbst ins Lot. Nein, wir dürfen einfach nicht so kurzsichtig sein und nur an uns denken! Und vergessen, was wir unseren Nachkommen für Lasten aufbürden, wenn wir Krankheiten und
schlechte Gene im Erbgut weiterreichen. Dann wird bald ein Gesunder zehn Kranke zu pflegen haben. Die UrMedizin behebt die Leiden von Grund auf, macht Insulingaben überflüssig und korrigiert die negativen Erbinformationen.

Bei Kindern mit Diabetes ist mir noch nicht bekannt, ob die UrMedizin in der Lage ist, die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse wieder aufleben zu lassen. Sicher ist aber, daß die noch intakten nicht weiter absterben. Weshalb es hier besonders wichtig ist, die UrTherapie sofort aufzunehmen! Dann geht man daran, nach und nach das Insulin langsam abzusetzen, bis der Körper dessen Produktion wieder voll aufgenommen hat. Es ist durchaus damit zu rechnen, daß die verbliebenen Betazellen unter der sie stärkenden UrMedizin vermehrt das Hormon Insulin ausschütten, um den Stoffwechsel der nun nicht mehr belastenden Kohlenhydrate zu steuern.

Aber laß uns wieder auf Dich zurückkommen. Ich bin ja gesund und werde wohl kaum Diabetes bekommen. Was ich von Dir nicht sicher sagen kann. Wie wäre es denn, wenn Du – auch bei anderen Krankheiten, an denen Du laborierst – Deinem Arzt in einem solchen Falle so oder ähnlich sagen würdest: »Was? Mein Körper erzeugt für mich zu wenig Insulin? Ja, dann sollten Sie doch zusehen, daß er seine Produktion wieder stärker aufnimmt, statt ihm billigen Ersatz dafür zu geben! Heißt das Verabreichen von Hormonen denn nicht, daß dann die Bauchspeicheldrüse von Tag zu Tag weniger arbeitet statt mehr? Ja – was sind Sie denn für ein Arzt? Wollen Sie mich heilen oder kränker machen? Das wäre ja dasselbe, als würden sie einem Kind Vitamin B12 oder einem Erwachsenen Vitamin D verschreiben und damit seine körpereigene Vitaminproduktion abwürgen.«

Blickt man auf die Natur, so merkt man, dass es viele Tiere nicht einsehen, ihr Rudel mit kranken oder altersschwachen Artgenossen zu entkräften. Und je stärker das Rudel war bzw. die darin lebende Tiere waren, umso besser gedieh und vermehrte sich die Art. Ebenfalls richtig. Das Schwachgeborene in der freien Wildbahn eben so wenig Anrecht auf solide Gesundheitsvorsorge bekommen, ist ebenfalls Fakt. Richtig ist aber auch, dass man aus der Geschichte weiß, was passiert, wenn der Mensch sich diesem Denkmuster annimmt und munter auf seine Spezies zu übertragen versucht. Man frage nur einmal die Kameraden, die vor knapp einem Jahr den 120igsten Geburtstag unserer einsten österreichischen Führungskraft feierten. Der Kranke im Sterbezimmer der Natur. »Du bist krank, tut mir leid, dann ist die Natur dir wohl überdrüssig geworden. Mach´s gut.« Ein gerade zu hämischer Gedanke des Herrn K. Vor allem da auch er sich damals nicht tapfer dem Schicksal stellte, sondern verschreckt das Kräuterbeet vertilgte, in der Hoffnung sein Leben doch noch verlängern zu können. Warum eigentlich? Das ist ja ebenfalls Sinn gefährlicher Krankheiten – soll die Welt in ein paar hundert Jahren nur aus Krebskranken und RehaZentren bestehen? Du weißt wohl auch, dass Krebs im Verdacht steht erblich zu sein.
Im Bereich der Diabetes mellitus maße ich mir kein Urteil an, dafür kenne ich mich zu wenig aus. Aber ich weiß zwei Punkte. Nämlich, dass nicht immer dieselbe Menge an Insulin zugebenden wird und sich dadurch die Bauchspeicheldrüse faul zurücklehnt, sondern das der Bedarf bei den Betroffenen individuell reguliert werden kann. Das sind Erfahrungswerte, die das Leben damit in Gleichgewicht halten (können). Und ich weiß, dass ein Absetzen des Insulin für Diabetes I-Patienten keiner Heilung sondern einem Todesurteil gleichkommt. Ansonsten soll er mir diejenigen zeigen, die mit verbleibenden 10% an Beta-Zellen 100% des Bedarfes an Insulin erzeugen können. 387% Arbeitsnormerfüllung kenne ich zwar noch aus Zonezeiten, aber 900 % Leistung des Körpers ist, gelinde gesagt, Fantasie.

Ebenso wie der Aspekt, dass die Urkost reine Natur sein. Natürlich, in der Theorie vielleicht oder zur Zeit der (Jäger und) Sammler. Aber wenn man sich heutige Wälder, Böden und Flüsse so anschaut, dann wäre es allzu naiv der Natur absolute Gesundheit zuzuschreiben. Die Natur besitzt einen ausgesprochenen Gerechtigkeitssinn. Der sie auch nicht davon abhält, die Giftstoffe, die der Mensch seit Zivilisationsgedenke in sich hineinbläst, auch wieder großzügig global an diesen weiterzugeben. Vielleicht wird man ja nie krank, weil die Pflänzchen genug gelöstes Antibiotikum aufnehmen, das ein paar Kreuzungen weiter durch den Schweinemastbetrieb munter einsickert oder großzügig über die Felder verteilt wird…

Alles in allem bietet dass Machwerk einen unterhaltsamen Mix aus Verschwörungstheoretiker-Niveau, Fragmentallogik und einem weiteren Ernährungskult der Wohlstandgesellschaft. Denn ich behaupt einmal, dass nur diejenigen dieses Leben führen können, die sich nicht täglich die Frage nach seiner soliden Existenz stellen muss. Bin ich gelangweilt von meiner eigenen Existenz oder vom Kontoauszug nicht irritiert, so habe ich die Möglichkeiten in der Vielfältigkeit der Rohkost und der Ur-Lebensmethode zu schwelgen. Ansonsten darf man mir gerne einen Tagesplan vorlegen, der einen 20-Stunden-Arbeitstag und eine 7-Tage-Arbeitswoche vorsieht. So wie es im Schnitt den meisten Kreativen wie Selbstständigen ergeht. Und die Zeit wird zeigen, ob auch solche Exoden wie die Konzianer wieder vom Tellerrand verschwinden und die »Natürlichkeit der Ernährung« nicht bloß als Maske für weiteren Futterfundamentalismus missbraucht wurde.

[ Bilderquelle: http://www.worksmart.at ]
[ Zitatequelle: Der große Gesundheits-Konz / 4te Auflage / 1999]

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