Eins, zwei, drei, Terror

Photobucketun ist es geschehen. Der Alptraum aller Stammtischblöcker und Spießbürger, aller Altpreußen und ehrsinnigen Väter. Unser Staat verpflichtete sich zu einem neuen Leben als Freiwild. Unterzieht sich der Kastration hin zum Pazifisten. Vorerst zwar und auf Probe, aber was heißt das schon. Wenn die Eier der Nation einmal ab sind, so ist das für die Geschichte und den Stolz endgültig.

Und auch der Freitodgedanke wurde so oder so ausgesprochen. Denn sind wir nicht jede Sekunden vom globalen Terror bedroht. Der weinschorleschlürfende Erzfeind im Westen. Der Russe im Osten. Der Jungfrauentraumatisierte gen Südost. Pikachu in Fern Ost und im nördlichen Staate Dänemark ist mit Sicherheit auch etwas faul. Von den Bierpreisgebeutelten in Skandinavien mal ganz abgesehen und der Schweiz nehme ich ihr Neutralitätsgehabe auch nicht ab. Wann war Deutschland somit nicht im Würgegriff der Gewalt, Opfer von Anschlägen und ewiges Ziel verirrter wie verwirrter Massenvernichtungswaffen?!
Nun…im Grunde seitdem Deutschland die Kriegstreiberei aus seiner Hobbyliste strich. Nein, dass zu glauben ist weltfremd. Noch immer herrscht Terror. Jeden Augenblick kann eine religiös oder sonst wie fundamentalistische Bombe einschlagen und uns mit lautem Knall unsere Naivität um die Ohren hauen. Jede Minute. Terror. Macht es einem da nicht Angst, dass Deutschland nun so reagierte. Dass dieses Land, das fast 60 Jahre die Wehrpflicht als Panzer besaß, nun auf selbigen liegt wie eine hilflose Schildkröte. Und strampelnd ihren schutzlosen Bauch der glühenden Sonne des Terrors ausgeliefert sehen muss. Und noch einmal: Terror. Damit es auch jeder begreift und es mit der pädagogisch wertvollen Angst zu tun bekommt.

Aber Angst vor was. Vor Terror? Paranoia eines Wortes wegen. Läppischen sechs Buchstaben, die nichts weiter unternehmen können, als eine Assoziation anzuregen. Natürlich. Was für Amis gut ist, kann für Europäer nicht schlecht sein. Also sprecht mir nach: Terror! Solange bis man es selber glaubt. Und rückblickend jeder Tag der letzten 30 Jahre von ebensolchen durchzogen wird. Jeden Tag eine Bombe im Briefkasten. Jede Woche den Entschärfungstrupp, der wieder unter das Auto kriechen musste. Und jeden Monat ein Gebäude in der Parallelstraße, in das sich ein Flugzeug grub. Was waren das für Bilder.
Nun, heute ist es mal friedlich. Aber das verdanken wir nur der fruchtenden Antiterrormaßnahme. Nicht einmal… sondern nur deren Plural. Es existiert zwar nur ein Terror, aber eine Hundertschaft von Gegenmaßnahmen. Wie ein gut geöltes Getriebe, lassen sie auch mal etwas durchflutschen und mit auffälliger Unabsichtlichkeit ganze Bürokomplexe in Schutt und Asche legen. Von best verteidigten Militäranlagen ganz zu schweigen. Macht das nicht Angst. Nein, dann Glückwunsch.

Und um einmal zu sagen, was mir am Tag die Stimmung verderben könnte, befragte ich diverse Seiten nach Zahlen für 2009 bzw. 2010. Seiten wie die des Robert-Koch-Institutes, das statistische Bundesamt, Wikipedia und diverse Nachrichtenagenturen. Somit Seiten, denen ich einen gewissen Wahrheitsgehalt zurechne. Und stellte daraus einen Mittelwert zusammen.

350.000 – Tote durch Herz- und Kreislauferkrankungen
40.000 – Tote durch Alkohol
35.000 – Tote durch Rauchen
30.000 – Tote durch Unfälle
15.000 – Tote durch Ärztepfusch
10.000 – Tote durch normale Grippe
9.500 – Tote durch Suizid
4.000 – Tote durch den Straßenverkehr
2.500 – Tote durch Passivrauchen
1.400 – Tote durch anderweitige Drogen
15 – Tote durch Schweinegrippe

Tote durch Terroranschläge…gefühlt wahrscheinlich 5.600.000 aber grob geschätzt nur eine handvoll Urlauber sowie Helfer und Missionare.

Und somit stelle ich die Frage solange bis es nervt. Bis sie mit derselbe Penetranz zum Lesen nötigt wie das Terrorgeschwätz unserer Politiker zum zuhören. Wovor haben wir Angst? Für einen zünftigen Terrortod muss ich ins Ausland fahren oder mir erst einen Fanatiker suchen und diesen so lange beleidigen, bis er mir einen Dschihād erklärt. Während ich den Herzinfarkt förmlich vor bzw. hinter der Kühlschranktür hocken haben. Gepaart mit bester Chance darauf, dass mein rettender Krankenwagen auf dem Weg ins Krankenhaus mit einem alkoholisierten Vollidioten zusammenkracht und dem behandelten Chirurgen gerade nach etwas Pfusch zumuten ist. Natürlich nur, um die Statistik zu waren. Und selbst bei Genesung, wenn ich dann in Bademantel über den Krankenhaushof schleiche, könnte ich mir die Grippe einfangen und sofort röchelnd wie unbemerkt in den Teich plumpsen. Ganz gewöhnliche Grippe. Diese für alljene, die sich die Schweinegrippe oder Sars nicht leisten können und deshalb so banal zugrunde gehen. Das ist möglich. Und im Grunde gewinne ich eher im Lotto, als dass ein energischer Taliban meinen Weg kreuzt. Wie ich die Gehässigkeit meines Lebens so einschätze, würde wohl beides genau zeitgleich ablaufen. Die Freude über vier Millionen Euro und im selben Moment die Sprengung in vier Millionen Einzelteile. Aber Lotto spiele ich nicht. Demnach…

Was unternimmt unsere Regierung gegen den Terror des gewöhnlichen Alltages. Sehe ich Scharfschützen, die auf Krankenhausdächern faul herumliegen und die Ärzte im Visier haben. Sehe ich Satellitenaufklärung bei Speditionsfirmen. Razzien bei Brauerein. Auf Bakterien und Viren ausgerichtete Nacktscanner in Badeanstalten. Nein, ich sehe Freiheitseindämmung aufgrund eines kleinen Trolls, der begierig zum Erzdämon aufgeblasen wird. Und einem so derart dicht vor die Nase gehalten wird, dass man die wahren Todesengel gar nicht mehr sieht.

Ich sehe die Terrorwarnungen in den Medien. Die es begründen, dass eine Horde von Erdkröten die Verteidiger in Gottes Gnaden spielen. Als die Reinkarnation der Deutschritter zum neuen Kreuzzug aufriefen. Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt, sondern in sichtbarer Reichweite seiner Landesgrenze. Und mit sichtbarer Reichweite meine ich nicht das Aufrufen von »Google Maps« in irgendeinem Bundeswehr-Zeltlager in Afghanistan. Man berichtige mich, wenn ich das falsch sehe. Schließlich bin ich kein Verteidigungsminister. Schließlich bin ich nicht verängstigt, weil ich momentan nur wenig zu verlieren habe. Vielleicht bin ich auch zu naiv, weil ich seit Jahren keinen Nachrichten mehr fröne und nur ab und zu das aufschnappe, was mir andere im Gespräch nicht vorenthalten wollen. Alles nur Vermutungen. Die ich in meiner Sicherheit äußern kann. Undankbar über die Aufopferung, die für meine Sicherheit in kauf genommen wird. All die Maßnahmen der Registrierung, Abhörung, der Überwachung und Kontrolle sind doch nur zu meinem Wohlergehen. Als Schutz vor dem Terror, vor der eigenen Entfaltung und Handlungsfreiheit. Als Schutz vor mir selbst, denn ich weiß nicht, was ich tue. Die wahlweise geistige Elite des Landes dahingehend schon.

Post Scriptum: In den USA verrecken im Jahr 44.000 bis 98.000 Patienten durch vermeidbare Fehler. Abgesehen von denen, die hopsgehen, weil sie sich noch nicht einmal fachdienliche medizinische Behandlung leisten konnten.
All den BILD-Schreihälsen sollte somit endlich einmal die Einsicht kommen, dass der Terror etwas anderes trägt, als Bart und Turban. Aber was rede ich da. Wären diese zur Einsicht fähig, so würden sie nicht BILD lesen.

In diesem Sinne: Es war einmal der Terror

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