Star Wars: Neuer Spaß in der alten Republik

Zugegeben, Bioware steht für Qualität. Und von Lukas Arts war ich im Schnitt auch ganz großes Kino gewöhnt. Und so startete ich gestern voller Freude in die Welt von Star Wars. Und eines muss ich schon sagen: Es mach wirklich Laune. Auch wenn ich nur Verfechter der ersten drei Filme bin, quasi Kapitel 4-6 und mir der neue Kinderkram gestohlen bleiben kann. Aber das nur nebenbei. Denn Laune macht es dennoch, auch wenn ich mich fragte, was zum Geier ein »Sith« ist.

Die Grafik ist solider Standard, aber für mich ohnehin nicht entscheidend. Denn wer Spiele nach der Grafik bewertet, der sortiert auch Pornostreifen nach der Handlung. Das, was mich gestern den kompletten Tag am Monitor bannte, war die Handlung. Vollgestopft mit professioneller Synchro. Raffinierten bis witzigen Dialogen und ein nettes Rollenspieler-„Achte-auf-das-was-du-sagst-und-tust“-System heben dieses Spiel definitiv von allem ab, was ich bisher an MMORPG gesehen habe.
Eine Begeisterung, die mich sogar dazu reizte, meine Charaktere zweimal zu erstellen, um einerseits die Reaktionen des Guten und andererseits des Bösen erleben zu können. Und um nun bei meiner kalten Kopfgeldjägerin zu bleiben, der das Leid anderer völlig am Knackarsch vorbeigeht und die für Credits auch gerne einmal ihre Auftragsgeber verrät.
Bzw. meine Jedi-Ritterin. Die zwar für eine gute Sache kämpft, aber dennoch mit überheblich bis bissigen Kommentaren glänzt und keine Hemmungen besitzt, Drecksäcke auch schnell einmal zu richten. Anstatt diese nach »neuer« Jedi-Manier totzuquatschen und so edelmütig durch die Welt zu hopsen, dass ihr die Güte, Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit noch über drei Bildschirme aus dem Hintern scheinen. Denn wenn ich etwas merkte, dann dass der reine Weg von Licht oder Dunkelheit scheißen langweilig ist.

Aber etwas lernte ich auch. Dass sich Bioware bzw. Lukas Art den Begriff »Free-2-Play« stecken lassen können, oder zumindest dessen Definitiv noch einmal genauer nachschlagen sollten. Natürlich verstehe ich, dass man den Käufern weiterhin Privilegien einräumen muss. Aber was man als f2p-Dödel geboten bekommt, das ist kein Spiel, bei dem man sich erhobenen Hauptes einem Abonnenten entgegenstellen kann. Mitnichten, man ist und bleibt Unterschicht. Und das soll auf lange Sicht motivieren? Ich möchte es bezweifeln.
Es beginnt schon alleine damit, dass ich gerade einmal zwei Charaktere erstellen kann. Zwei Plätze für hochgerechnet 96 einzelne Charaktere. Zugegeben, dass ist wirklich hochgerechnet, denn dafür müsste man wirklich mit allen im f2p verfügbaren Rassen alle Klassen, alle Spezialisierungen und dazu noch alle Gesinnungen sammeln wollen. Wer macht das schon. Aber im Schnitt brachte ich es immer so auf 4-5 Charaktere. Vor allem, wenn man sich mal durchtesten will und man schon die Chance bekommt, sich in beiden Fraktionen bewegen zu können. Oder mit anderen spielt, die noch nicht so weit sind und man dann logischer Weise noch einmal mit unvorbelastetem Avatar mit aufsteigen will. Somit, eine Begrenzung ist legitim, aber auf zwei Stück…

Und dann der nächste Spaß. Die Rassenwahl. Während man einen schönen Balken mit Portraits erblickt, auf denen das schöne Antlitz der schönen Rassen erstrahlt, auf die man als zahlungsunwilliger Schmarotzer schön verzichten kann… ja, fällt die Wahl nicht sonderlich schwer. Denn ich konnte nur geschätzte 1/3 oder 1/4 davon anwählen. Warum hierbei nicht 1/4 der Rassen für den zahlenden Spieler reservieren. Oder diesem besondere Items für die Individualisierung zugestehen. Einfach, für mehr Anreiz und weniger der Arbeit mit der Enttäuschung.
Wobei, zugegeben, dass störte mich nicht. Denn ich fühle mich, bei sonst eher unattraktiven Viechern, schnell zum Vollhumanoiden hingezogen. Und da man hierbei auch Cyborgs hatte, war ich glücklich. Vor allem, da man bei der Individualisierung des Gesichtes wohl auf das volle Arsenal zugreifen werden konnte. Somit, nach einer halben Stunde Charaktererstellung, und gefühlten drei Stunden, da ich bei so etwas immer leidenschaftlich penibel bin, ging es ins Abenteuer.

Die nun folgenden Einschränkungen waren mir ja bekannt. Geringerer Inventarplatz, keine Eile bei der Wiederbelebung, keine Boni, Erleichterungen erst später oder gegen Realgeld, kein gar nichts. Wer nichts zahlt, bekommt auch nichts geschenkt. Natürlich, der Standard eben. Und nur ein Idiot würde dagegen argumentieren. Doch nur ein Naivling würde hierbei allerdings von Ausgewogenheit sprechen.
Denn so erfuhr ich nach einigen Stufen, dass mir Quest-Gegenstände als Belohnung einfach mal komplett durch die Lappen gehen. Verknüpft mit dem freundlichen Hinweis, dass sich das ändern würde, wenn ich das Spielchen im folgenden Link abonnieren würde. Ja ne is klar… Wie ich daraufhin recherchiert hatte, soll man manche besonderen Items auch gar nicht erst anlegen können.

So erfahre ich weiterhin, dass meine EXPs langsamer steigen. Mein, nicht gerade unwesentlicher, Vermächtnisboni sowieso. Dass ich nicht einmal über ein Bankschließfach verfüge, um dennoch mit dem geringeren Inventarplatz ganz gut haushalten zu können. (Sorry Leute, aber bei manchen Spielen besitzt man dennoch ein komplettes Haus) Der Knüller war allerdings, dass ich nur 200k Credits besitzen darf. Der Rest wird gutgeschrieben und darf irgendwann geholt werden, wenn… man ahnt es schon.
200.000? Entschuldigung… Wenn ich mir so anschaue, dass schon Stufe-10-Ausrüstung 2.000 kostete, dann weiß ich ungefähr wie weit ich mit 200k kommen werde. Nämlich einen glatten Witz. Das Nachrichtensystem ist, für ein soziales Netzwerk in Spieleform, und nichts anderes sind MMOPRGs, eben so wenig ernst zu nehmen. Da ich zwar immerhin ein Item verschicken, aber einem anderen nicht mit Geld aushelfen könnte.
Auch soll das spätere Gruppenstreiten per Fußmarsch oder Raumschiff ins unerfreuliche dezimiert worden sein. Und so weiter und so fort. Ich möchte hier nicht alles breittreten. Denn ich las mich, als ich skeptisch wurde, durch diverse Foren und kam zu dem Entschluss, dass man keine Free-to-Play-Variante spielen darf, sondern schlichtweg eine Demoversion vorgesetzt bekommt. Eine, in der der Spieler aufgrund der merklichen Einschränkungen sehr bald gegen eine unsichtbare Wand zu laufen droht.

Wie gesagt, ich habe nichts gegen Einschränkungen. Vor allem, wenn parallel noch ein Abo-System läuft. Aber dann bitte ausbalanciert. Und die einzige Möglichkeit zur Balance wäre hierbei das Freischalten aller spielerelevanten Dinge, nur eben im geringeren Umfang. Oder dass alles langsamer von statten geht. Beschenkt die Abonnenten mit neiderzeugenden Items, wie Fahrzeugen oder mit mehr Rassen und Gedöns. Ist alles legitim.
Doch f2p-Spieler so an der kurzen Leine zu halten. Diesem spielrelevante Möglichkeiten, und das ist der ausschlaggebende Punkt, vorzuenthalten. Und denen somit wahrscheinlich keine bis wenig Chance in den späteren PVP-Gebieten einzuräumen… das ist frech. Man muss die Chance haben, mit Beharrlichkeit auf den gleichen Stand kommen zu können, wie der Käufer. Ich möchte entscheiden können, ob ich für das Optimum Geld investiere. Und mich nicht gezwungen sehen, für den Standard schon Geld zu lassen.

Ich schaue es mir vielleicht noch eine Weile an. Aber wenn die Motivation schon zu sinken droht, dann war´s das. Schade eigentlich, denn gerade die Handlungsstränge, die gesponnen werden können, machen das Spiel wirklich lohnenswert.
Ich bin auch nicht grundsätzlich geizig. Wenn die Langzeitmotivation und Atmosphäre stimmt, dann investiere ich auch gerne im Rahmen eines Vollpreisspiels. Wie beispielsweise damals bei Runes of Magic. In dem ich mich gilden- und gruppenlos bis zur Stufe 49 schlug. Oder in Allods. Beides Spiele, die mich durch ihre sympathische Gängelung zur Geldausgabe in Maßen lockten. Einfach, um sich ein paar Annehmlichkeiten zu gönnen. Auch wenn ich seit über 1,5 Jahren nicht mehr in ROM gewesen war. Doch mich von vornherein einer derartigen Abo-Agitation ausgesetzt zu sehen. Sorry, aber so nicht. Denn 20€ jeden Monat muss man erst einmal übrig haben.

Fazit: Es macht ja Laune, seine Jedi-Lehrmeister damit zu nerven, dass die Macht besonders mit mir sei. Hutten als »Fette Schnecke« zu titulieren oder anders zu beleidigen. Oder einfach nur in der Welt aus Kindheitstagen zu flanieren. Die Missionen sind für das Standardwesen des Töte-dort-den und Hole-da-Jenes wirklich liebevoll inszeniert. Vor allem, wenn man mit Taxigleitern an jenen futuristischen Hochhausbauten entlangschwebt. Oder sich durch toxischische Mienengegenden schießt. Aber auch die Unterhaltungen an sich, das Randgewusel und überhaupt die Atmosphäre zeigen, dass Bioware und Lukas Arts ihrer alten Schule treu geblieben sind.

Aber was ich so las, das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Nämlich den der ewigen Fragen: »Und wann gelange ich nun an die Grenzen des kostenlos machbaren?« Diese Frage sollte sich nie gestellt werden müssen. Vor allem nicht in einem Spiel, dass unter der Marke Free-to-play läuft. Natürlich darf man sich immer denken können: »Verdammt, das will ich auch!« Aber man muss damit der Spiel nur verschönern und bequemer gestalten können. Und nicht Gefahr laufen, durch unterlassene Zahlungsleistung ganzen Spielgewinn einzubüßen… und wenn ich mir die Marotten von EA, unter dessen Schirmherrschaft das ganze läuft, in der letzten Zeit so anschaue, dann bin ich mir recht sicher, auf wessen Konto dieser Haufen Huttexkrement auf der doch so schönen Promenade geht.

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