Rückblick 2011

Photobucketast zwei Monate sind vergangen. Und wäre ich diesem Brauchtum des Biederbürgers gefolgt, und hätte die letzte Nacht des Dezembers mit ach so guten Vorsätzen sowie Wünschen belästigt, so wäre ich nun um eine Erfahrung reicher.

Nämlich der, dass es ohnehin sinnlos gewesen wäre. So tat ich, was ich in solch´ einer Situation immer tue: Den Tag ignorieren und unbeteiligt zocken. Ohne überhaupt noch einen Schimmer der Besonderheit jenes Datums in den Geist zu lassen. So ungefähr wie Weihnachten und was weiß ich noch, woran sich der Pöbel mit staatlicher Vorgabe zu erfreuen hat.

Zuvorkommend finde ich hierbei allerdings, dass es die Nachbarschaft ähnlich angeht. Von Jahr zu Jahr mehr. Und war es Anfang der 90´er noch grässlich gewesen, da jeder Arsch seine Sehnsucht nach Westböllern oder global-gekauftem Sprengschrott tilgen wollte, so scheint dieses nun gesättigt.
Die Jugend treibt es aus der Vorstadt in die Stadtmitte, die wandelnde Vertreter der Midlife Crisis ebenso. Die Älteren halten sich da ohnehin raus und werden vom Silvesterstadtl abgefangen, vor die Röhrenbildschirme gebannt und somit mit irgendwelchen psyschischen Dummheiten von irgendwelchen physischen Dummheiten abgehalten.
Befand man sich somit noch vor Jahren inmitten der Nachinszenierung des Volkssturms von Berlin oder der Bombardierung Dresdens, so kehrte nun Waffenruhe ein. Bei dem es im neuen Morgengrauen kaum noch ergraute Sprengfragmente zum wegzukehren gibt.

Mir soll es recht sein. Frönte ich noch als Wanst diesem Tage, ließ ich noch die Besinnlichkeit der Weihnachtstage in all ihrer Vorfreude zu. So erstarrte dieses schon seit langem zu einer wochenlangen Lästigkeit. Die eher die innerliche Verachtung und weiterhin das depressive Gedankengut nährt, als dass ich mich jemals wieder ausgelassener Feierlichkeit hingeben würde.

Was feiert ihr eigentlich? Das Ende eines beschissenen Jahres in Erwartung der neuen Tiefschläge. Die Freude darüber, dass der Schmerz des gebrochenen Nasenbeins vergeht, während man sich schon der Hand zur Ohrfeige gegenüber sieht. Nein danke, kein Bedarf.

Und dennoch erlegt einem der Tag den Zwang auf, das Jahr rückzuerinnern. Man wird genötigt, von der Feiertagspropaganda. Die, egal in welche Ecke man sich verzieht, immer mit aufdringlich grellen Farben über das eigene Graubild kleckert.

Was brachte das vorige Jahr. Welcher Nutzen stand im Verhältnis zur verstrichenen Lebenszeit. Zeit, die nie wiederkommt. Zeit, die einem wieder dem eigenen Tode entgegen schob. Zeit der Verschwendung, des Versagens. Zeit des Beweises, der eigenen Unfähigkeit sich gegenüber. Zeit, auf die ich gerne verzichtet hätte. Die ich gerne anders verlebt hätte.
Und doch stand ich mir dafür selbst im Weg. Sodass der Hass auf die Tristes des Lebens zum Hass gegenüber der eigenen Person wird. Zur Verachtung des eigenen Wesens, dem man nicht einmal entgehen kann. Man muss sich ertragen. Und sieht einmal mehr, wie man stumpf dreinblickend ins eigene Verderben manövriert…

1. Was hast du 2011 zum ersten Mal getan?

Als Dozent stand ich in Akademieräumen auf der anderen Seite des Lehrerpults. Es ist interessant, Klassenräume vom Lehrerzimmer aus zu betreten, und nicht mehr von der Raucherecke.
Mein Gefährt zum Ruhestand begleitet. Wenn schon gefangen in der Region, dann richtig.
Fast schon Hoffnung gehabt…aber zum Glück bin ich wieder eines besseren belehrt worden.
Das Training auf Kondition umgestellt. Selbstgeißelung wird noch zum netten Hobby.
Mir wurde die Ehre zu teil, Worte für eine Veröffentlichung beizusteuern.

2. Was hast du 2011 nach vielen Jahren wieder getan?

Eine lange Beziehung zu Grabe getragen…lassen. Vom Fluss der Zeit und vom Lauf des Lebens. Es endet nie und wird nie enden.
Projekte gestartet und verhungern lassen. Das zerrissene Gemüt ist der Todfeind jeglicher Stabilität.
Mich von Ämtern und eigenem Prüfungsstress beleidigen lassen.
Das Erscheinung des Lichtes am Horizont als das gesehen was es ist: als Irrlicht im Sumpfgebiet.

3. Was hast du 2011 nicht getan?

Siehe 2010. Dem Kreislauf des Daseins fügt sich, wer ständig nur im Kreise geht.

4. Worüber hast du dich 2011 am meisten geärgert?

Um mal global zu sprechen »Shut up, dumb fuck«

5. Worüber hast du dich 2011 am meisten gefreut?

Über Begierde.
Über insgesamt 8 Momente des kompletten verdammten Jahres.

6. Welches Ereignis von 2011 war dir gleichgültig?

Der Rest.

7. Welche neu entdeckten Bands haben dich 2011 begeistert?

Abney Park
Forseti
In Slaughter Natives

8. Welche neu entdeckten Bücher haben dich 2011 beeindruckt?

Kam ich dieses Jahr überhaupt zum Lesen? Ich hoffe eines im Sinne eines letzten Geschenkes nun anfangen zu können.
Doch ansonsten arbeitete ich mich durch diverse Exemplare von »Der Wachturm« und »Erwachet!« Derartig objektiv feingeistige Rhetorik erinnert mich immer wieder gerne an den Blick in die Kulissen der röm.-kath. Theologen während meines Studiums. Wenn solche Geigen dann im Himmel sitzen, bin ich doch froh, den Weg zur Hölle geebnet zu haben.

9. Welche neu entdeckten Spiele zogen dich 2011 in ihren Bann?

Skyrim. Scheiß auf diese Realität, wenn man in solche Welten eintauchen kann.
Fable III
Minecraft. Fantasie braucht keine High-Tech-Grafik.

10. Welche neu entdeckten Filme haben dich 2011 fasziniert?

Ich kann mich an keinen erinnern. Fast schon lustig.
Als Serie höchstens »The Tutors« doch jenes wird nun mit Erinnerungen überschattet.

11. Welche kennengelernten Menschen hinterließen 2011 einen bleibenden Eindruck?

Schätze, der »Overlord« und die hiesige Blogarde.

12. Wer ist dieses Jahr gestorben?

Millionen der unwichtigen Gestalten und eine handvoll bekannter Geister.

13. Welche deiner Blogpostreaktionen gefielen dir besonders gut?

Reaktion und Aktionen bedingen sich. Ein Spiel des gegenseitigen Zuwerfens von Happen…

In diesem Sinne…scheiß´ auf eine solche Zukunft.

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