Tag 6 – Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht)

Photobucket in Buch, das ich nur einmal lesen kann? Ist dahinter eine höhere Metaphorik zu verstehen? Sodass man zu fast schon philosophischen Antworten hingerissen wird und verkündet: »Meine komplette Biografie. Denn mit dem letzten Wort der letzten Seite werde ich nicht mehr sein«
Keine Ahnung. Welches Buch rührt man nach dem erstmaligen lesen nicht mehr an? Aufgrund von Antipathie wären es bei mir so einige. Die Bibel beispielsweise, der Koran, Mein Kampf oder sonstige papieren Werke der Menschheit, deren einziger Nutzen darin bestand, dass die dafür verarbeiteten Bäume einmal Sauerstoff produzierten. Der dann allerdings zu der heißen Luft verpuffte, die nun aus den gedruckten Worten emporsteigt. Somit würde Nichtgefallen einigen Leseerlebnissen wirklich eine Einmaligkeit auferlegen; sind doch Zeit und Leben zu kostbar, um sie mit den Gedanken verdrehter Geister zu teilen.

Aber ein einmaliges Lesen trotz gefallen? Warum? Wieso? Weshalb? Und zwar in dieser Reihenfolge. Weil das Buch bei der Haushaltsteilung nun bei der Ex steht? Weil man es als Wanst danach wieder zu Bibliothek schleppen durfte? Weil es verbrannte? Vom Verfassungsschutz bei der Wohnungsdurchsuchung konfisziert wurde oder bei dem Kontakt mit Licht zu Staub zerfiel? Zugegeben, die Erfahrung der letzten beiden Beispiele machte ich noch nicht. Bin auch nicht unbedingt scharf drauf und sehe auch keine Notwendigkeit dafür.
Spontan fällt mir als Beispiel für den ersten Punkt »Alles über Alice« ein. Carrolls Alice mit äußerst interessanten Kommentaren von Martin Gardner und John Tenniel. Sozusagen eine Entdeckungsreise in die Symbolik und Metaphorik der beiden Geschichten. Aber was soll ich jetzt schon wieder mit Alice anfangen.

Sachbücher werden nun nicht allzu oft komplett durchgelesen, zugegeben. Aber doch hin und wieder in die Hand genommen. Wenn einen zum Beispiel die darin abgehandelte Sache wieder interessiert oder man sich zu kurzer Recherche veranlasst sieht. Es entsteht ja doch ab und zu eine Notwendigkeit mit Wissen zu kontern, dass nun nicht als Schlagwort bei Wikipedia rumgeistert. Und Romane? Nun, gut, nach einigen Minuten grübeln ist diese Kategorie gerettet. Ein Buch, bei dem ich allerdings gar nicht mehr weiß, ob ich es überhaupt noch besitze, da viele aus Platzmangel in Kisten ihr Dasein fristen und auf eine größere Wohnung hoffen. Und mit den Jahren des Aus-den-Augen-seins sind diese Bücher auch allmählich aus dem Sinn.

Heinrich Mann – Der Untertan

Der UntertanDa ich den Film aus Zonezeiten recht putzig fand, wollte ich mir schon immer mal das Buch antun. Und Aufgrund dessen, dass Thomas Mann kein leerer Name im Reigen der Literaten ist, dürfte ja von seinem älteren Bruder auch einiges zu erwarten sein. Natürlich besitzt das Buch seinen Reiz. Sei es die erschütternd humorlose Karikatur des damals stockbiederen fast schon reaktionären Spießbürgers. Dessen Angepasstheit und aalglatte Lebensbahn auch heute noch als Mahnmal gelten kann. Zudem besitzt gerade die daraus entstehende Zukunftprognose der Geschichte einen allzu bitteren Unterton. Denn so steht im Vorwort: »Dieses Buch wurde im Juli 1914 vollendet«
Im Grunde schätze ich solche Romane, denn wenn ich etwas nicht abhaben kann, dann ist es triviale Tralala-Literatur ohne Tiefgang. Geschichten, die ich selbst binnen von 6 Monaten erdenken kann brauche ich nicht zu lesen. Dafür reicht mein eigenes Phantasievermögen. Das, was mich trotz der Sympathie mit der Geschichte vor nochmaligen Lesen fernhält und auch während der zweiten Hälfte des Buches zunehmend abschreckte, war diese unerbitterlich Langeweile, die zäh aus den Sätzen kroch und um Beachtung bettelte. Zwar kann ich zähe Literatur verdauen. Orwells »1984« strotzt ja auch nicht gerade vor Handlungsenergie und flottem Lesefluss. Oder Bücher wie Carl Einsteins »Bebuquin und die Dilettanten des Wunders« oder Lautréamonts »Die Gesänge des Maldoror«. Werke bei denen man beim Lesen merkt, wie man unweigerlich den Faden verliert. Trotz Konzentration und Stille darf man immer wieder eine Zeile oder einen Absatz zurück, um überhaupt die allgegenwärtige Frage mit jeder Seite erneut beantworten zu können: »Was will der Autor von mir« Zudem werden die Leser meiner Buchverbrechen die Erkenntnis benicken, dass auch ich gerne mit trägen Sätzen quäle.
Aber der Untertan war nicht nur träge. Die Handlung drohte mit jeder Seite mehr und mehr in ihrer Langweiligkeit zu versumpfen. Und ging letztendlich auch darin unter. Eine interessante Geschichte, die wohl noch immer ihre Aktualität besitzt, wenn auch nicht im wörtlichen Sinne. Nur leider vermochte es Heinrich Mann nicht, diese Geschichte in Worte zu packen, die Spannung erzeugten. Welche die Erwartung auf die nächste Seite banden und beflügelten. Somit wird das Buch zwar irgendwann wieder in der Bücherwand stehen, aber dort wohl auch bleiben. Außer man braucht für den fünfjährigen Nachwuchs mal eine einschläfernde Guten-Nacht-Geschichte. Denn ich gebe zu, dass Freud oder Nietzsche für die Nacht zu aufregend sind. Und Schoppenhauer würde ich erst im Grundschulalter empfehlen…

H. Mann
Heinrich Mann

Wikipedia antwortet: Heinrich Mann
Wikipedia antwortet: Der Untertan

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