Gothic Friday – Mai: Do Goth Yourself!

These

Von der Schlagerretorte zum Hobbykeller. Für das selbstgemachte Stückchen Goth. Ein Unikat in Handarbeit oder schon maschinell hergestellt? Dieser Fragen wollen Shan_Dark und Robert dieses Mal auf den Grund gehen.

Doch was gibt es dahingehend zu berichten. Meine Hobbythek ist schon vor langer Zeit geschlossen worden.

Zwar brachte ich einst bekannte Motive mittels Stofffarben auf Shirts und Hemden. Doch nach dem ersten Waschgang verfolg zumeist die Motivation. Denn auch wenn man sich übervorsichtig an die Gebrausanweisung hielt, die Hälfe des akribisch abgekupferten Motivs riss und blätterte einem entgegen.

Später experimentierte ich mit stark chlorhaltigen Putzmitteln. Und so verbrachte ich Stunden damit, einen Filzschreiber in diesen flüssigen Schwimmhallenduft zu tauchen und die Motive unwiderruflich einzubleichen. Immerhin überstand das Resultat jede Wäsche.

Dennoch möchte ich dieses nicht weiterempfehlen. Da man für solche Späße eine gute Lunge und eine verdammt ruhige Hand braucht.
Zum einen, da man jeden Strich zwei bis dreimal nachziehen muss, damit es die Farbe vollständig extrahiert.
Zum anderen, da jeder noch so kleine Tropfen und jene Abweichung in der Strichführung unumgänglich ist und alles versauen kann. Somit entstanden so nur wenige Motive.

Was die Kleidungsmodifikation anbelangt, so bin ich seit Jahrzehnten kein Freund von zusätzlichem Firlefanz mehr. Was nicht heißen soll, dass nicht etwas von damaliger Zeit überlebte.
In den heutigen Tagen allerdings stehe ich im Erbe der Neuen Sachlichkeit und definiere die »Schönheit durch Nutzen«
»Was in sich selbst den höchsten Gebrauchswert birgt, besitzt auch die größte Schönheit« Ein Denkansatz, dem sich auch das Weimarer Bauhaus widmete und den ich begeistert aufschnappte. Somit lässt bei mir weniger der kreativ-gestaltete Individualismus, sondern mehr der Kleidungsfunktionalismus grüßen.

Antithese

Die Ästhetik der Pragmatik ist mir ausreichend. Etwas, dass sich durch eine Gardarobe von Militär-Restbeständen besten bewerkstelligen lässt.

Welche Selbstgestaltung sollte ich demnach nahebringen?

Im Grunde alles.
Denn ist Design nicht auch Dasein…der Mensch nimmt mit allem was er tut gestalterisch ästhetischen Einfluss auf seine Umwelt. Das ist eine Grundeigenschaft, die in uns wohnt.
Man kann innerhalb der persönlichen visuellen Wahrnehmung nichts anders als gestalten.
Es beginnt bei so banalen Dingen wie der Ernährung »Das Auge isst ja mit« und endet nicht beim Einrichten des eigenen Refugiums. Einzig die Motivation legt den Unterschied…

Und im Grunde nichts.
Alles und nichts. Da mein gestalterisches Hauptaugenmerk auf dem Bildschirm flimmert. Doch dieses in einem Artikel zu definieren und nachvollziehbar zu erörtert, das würde den Rahmen empfindlich belasten.
Bemerkte ich doch schon, dass es schwierig ist, Photoshop innerhalb von acht Stunden zu erklären; selbst wenn man einen geeigneten Klassenraum gehabt hätte.

Des Terriers Kern

In Erinnerung an den »Sonne macht albern«-Artikel von Spontis flackerte eine Idee in meinem müden Schädel. Die nun, und vor ihrem Untergang, niedergeschrieben sein soll.

Es scheint kein Geheimnis mehr zu sein, dass der geneigte Schwarzkittel bei Sonnenkontakt nicht in einer Patchouliwolke zerstiebt. Auch dürfte es nicht mehr groß verwundern, dass einige ohnehin gerne in der Sonne liegen, stehen, gehen oder sonstigen Verrichtungen nachgehen können, ohne verschreckt von Sonnenschirm zu Sonnenschirm zu fliehen.

Aber was ist, wenn man nun mit seiner frisch gothyourselften Tracht aus der Türe tritt und ein kleiner angeleinter Gehwegscheißer neben einem so ganz ungruftig aus dem Fell glotzt.
Soll ja vorkommen. Denn nicht jeder Schwarzromantiker hat einen dieser permanent angepisst dreinblickenden Sofafussler mit Herrschaftsanspruch auf Lebenszeit aka Hauskatze zu Hause hocken.

Manch einer steht nun einmal mehr auf Leinenspielchen und Gehorsamkeit, als auf die persönliche Unterwürfigkeit gegenüber so einer schnurrenden Domina bzw. eines Dominus.

Do Goth Yourself And Pimp Your Dog

Photobucketür das Model muss ich allerdings auf wirklich altes Archivmaterial zurückgreifen. Da sich kein Hund mehr an meiner Seite befindet und ich meiner Oma nicht ihren zotteligen Enkelersatz klauen wollte.

Somit assistiert mir nun indirekt der kleine Exzentriker aus der Familie meiner damaligen Gefährtin. Der passender weise schon eine subkulture Mentalität an den Tag legte. Ein kläffendes Düstertier mit Hang zur Melancholie, welcher mit schwarzen Fingernägeln durch die Wohnung tappste.

Man benötigt im Grunde nicht viel, um seinen tierischen Gefährten das nötige Zusammengehörigkeitsgefühl zu verschaffen. Es genügt ein ausladendes Standardkopftuch als dessen Kutte. Eine altgediente Kette für den typischen Altgoth-Halsschmuck. Und wer mag, der kann noch eine handvoll Buttons auf dessen Brust und Schultern spicken.

Bei meinem Assistenten diente dies Kopftuch als bodenlanger Kapuzenmantel. Ganz im Sinne des schweren Schwarzgewandes. Dazu noch das traditionelle Nietenband über den Hals gelegt -welches seinen Zweck als Stoffhalter und Fixierung erfüllt- und schon kann sich Hundchen mit Herrchen oder Frauchen sehen lassen. Ohne Angst haben zu müssen, nicht dazu zu gehören.

Diese Ausgangsgardarobe ist zudem variabel; je nach Vorliebe. Egal ob ein Tuch in flecktarn und ohne Kapuze für die EBM-Fraktion. Runen anstatt der Nieten für den selbstbewussten Neofolker. Einen um die Hüfte geschwungenen Leinenputzlappen für den Mittelaltergewandten. Oder eine um den Torso geschlungene Lichterkette für die Cyber-Fraktion. Man kann in sämtlichen Clubs den Dresscode bedienen.

Allerdings sei gerade bei den bodenlangen Gewändern aufzupassen. Da ein ignoranter Hund allzu gerne auf seinen edlen Gehrock scheißt oder diesem schlichtweg gegen den Zwirn pisst.

Getier

9 Gedanken zu „Gothic Friday – Mai: Do Goth Yourself!

  1. …lach…auf der Tischplatte lieg….lach…gröhl…nach Luft schnapp….

    Das ist echt ganz großes, düsteres Hundekino!!!

    Was für eine geniale, tolle, klasse Idee.
    Und bisher einmalig.

    GRANDIOS!!
    Ich geh mir jetzt mal irgendwo einen Hund klauen…bis später.

  2. Das hier wollte ich schon immer mal schreiben: “Wie geil ist das denn?!” :-)

    Um es mit meinem aktiven Wortschatz auszudrücken: Ich wäre heute Morgen fast vom Schreibtischstuhl gefallen vor lachen.

    “Oder eine um den Torso geschlungene Lichterkette für die Cyber-Fraktion.”…. :-) :-) :-) :-)

  3. Ich wollte ja eigentlich erst Mitleid mit dem so herrlich doof aus der schwarzen Wäsche guckenden Kollegen haben, aber dann war’s irgendwie doch zu köstlich :)

    Aber wie darf ich das mit dem Filzstift denn verstehen? Ein leerer/trockener Filzstift und anstelle von Farbe lässt man den dann einfach mit Chlorreiniger vollsaugen?
    Eine sehr gute Idee, habe ich doch bei meinen Chlorspielereien (http://www.otranto-archive.de/karnsteins-kreatives-kammerlein/karnsteins-kreatives-kammerlein-chlorreiniger/) direkt einen Pinsel eingebüßt ^^

  4. Es freut mich, dass sich mein treuer Assistent solcher Beliebtheit erfreut. Diese Fotos sind auch schon wieder acht oder neuen Jahre alt. Somit hoffe ich, dass es ihm gut geht. Wenn er noch unter uns weilt.

    Ebenso ist es schön zu sehen, dass dieser Beitrag nicht als Boykott gegenüber der Ernsthaftigkeit dieses Projekts gewertet wird. ;)

    Zu von Karnstein:

    In der Tat, genau so habe ich das angestellt. Der Filzstift diente quasi als »Feder« Nur dass ich diesen nicht in ein Tintenfass, sondern in eine Schale Chlorreiniger tauchte. Es schreibt oder zeichnet sich damit filigraner und exakter als mit einem Pinsel. Zumal von dem Filzer am nächsten Morgen noch mehr vorhanden ist, als von den Borsten. ;)

    Auf die Schablonenidee bin ich auch einmal gekommen. Allerdings druckte ich das ganze auf Klebefolie, schnitt es mit einem Skalpell aus und klebte dieses auf den Stoff.
    In erster Euphorie über den gelungen Geniestreich kleckerte ich gehörig mit Chlorhaltigem herum. Was zur Folge hatte, dass sich der Stoff vollsaugte und der ganze Spaß auch an die Stellen sickerte, an die er gar nicht hinsollte.

    Danach begann ich auch lieber vorsichtig mit einem Schwamm zu tupfen. Das Ergebnis ist recht ordentlich. Zwar kein Vergleich zu scharfkantigen Drucken, aber dafür sieht es angenehm zerschossen aus.

    Wie beispielsweise jener einladende Spruch, denn ich vor knapp 11 Jahren auf meine alte BW-Fliegerkombi ätzte:

    http://blog.opus-mentis.de/wp-content/uploads/2011/05/SG1S0787.jpg

  5. Der Hund des Todes. ;)
    Generell bin ich ja eher kein
    Freund davon, Tiere wie Hunde
    in Klamotten zu stecken.
    Aber das hier ist echt witzig. ;)

    Dunkle Grüße
    Melle

  6. Da gebe ich natürlich Recht. Tiere in Klamotten oder generell Kostüme für Hunde sind zumeist recht würdelos. Sollte doch ein Hund immer Hund bleiben können und sich nicht als Mensch missverstanden fühlen müssen.

    Doch hierbei sei erwähnt, dass der Kleine keinerlei Antipathie gegenüber dem Dresscode hegte. Er saß weiterhin in seiner stoischen Manier auf dem Balkon, ließ sich einkleiden, ablichten und sinnierte dannach weiter in die Aussicht hinein. War eben ganz Profi, der alte Knabe.

  7. Ich stimme Guldhan zu, ein Hund ist ein Hund!
    (Obwohl ich über das Bild wirklich lachen muss…)

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