Sportgeschehen…Teil I

Photobucketn den Tagen ohne nennenswerte Höhen und dank pessimistischer Grundeinstellung auch ohne nennenswerte Tiefen ist das Training eine lohnende Möglichkeit, um sich gelegentlich einmal produktiv zu fühlen. Das Gefühl des Fortganges und der Leistung zu erleben. Bedingt auch nur simuliert. Dennoch ist dieses zudem auch ein nettes Ventil. Wenn nicht sogar eine komplette Regulierungsanlage mit mehreren Rädern und Druckanzeigen, die das Rattern und Schwingen der Hirnmasse in einen angenehmen Ruhezustand zu fahren vermag. Das Lästern der Gedanken wird durch die Dampfdruckpfeife herausgeblasen. Aggressionspotenzial und Tagesfrust erliegen der Abschottung, da sämtliche Areale die Gedanken nur noch für die Leistung und die Konzentration durch die Kanäle strömen lassen.
Der Kopf wird somit für ein paar Minuten still, das Ego bleibt für den Tag konstant. Ergo: Man kann für 24 Stunden wieder in den Spiegel schauen, ohne auf diesen Einschlagen zu wollen. Einer der Gründe, weshalb ich mich regelmäßig beim Training blicken lasse und einer der Gründe, weshalb ich dafür einiges des nicht vorhandenen Budgets opfert.
Doch immer noch besser als dieses in unnötige Konsumkreisläufe zu stecken, am Ende nur zu verfressen oder sich Dinge zu kaufen, die man eh nicht braucht. Oder vielmehr brauchen darf…zu brauchen hat. Gebrauch hat nur der anzumelden, der auch Leistung abgibt. Ist im Grunde verständlich. Argumentiere ich ja auch nicht gegen. Das zweite Paar Schuhe oder gar die dritte Hose ist unnötig. Eine am Körper, die andere in der Wäsche. Der perfekte Kreislauf, den zu unterbrechen nur der Schickeria vorbehalten ist. Und immer noch besser als durchzuknallen. Abzubauen und die Last des eigenen Selbstbildes nicht mehr tragen zu können. Sich wieder als Feindbild anzunehmen, ohne vor sich weglaufen oder sich ausschalten zu können. Selig der, der sich durch sein bloßes Sein bestätigt fühlt. Ich benötige dafür brauchbare Taten.

Das Training ist Ventil, Garant für die soziale Kompetenz. Auch wenn dieses dafür schon auf eine harte Probe gestellt wird. Sodass ich jeden Tag auf´s Neue gegen die Furcht ankämpfe, dass der damit erlangte Pegel der neutralen Emotion schon allein für die dafür aufgenommenen Strapazen kompensiert wird. Und damit meine ich nicht die Tatsache des frühen Aufstehens. Die innere Uhr wirft mich ohnehin vor sieben aus dem Schlaf. Oder zumindest aus dem, was diese -eigentlich- Phasen der Ruhe und Energierückgewinnung nachäfft. Ist das senile Bettflucht? Gewohnheit? Schlechtes Gewissen? Es darf angekreuzt werden. Dennoch ist es Fakt. Aufstehzeiten bis drei Uhr morgens stellen für mich überhaupt kein Problem dar. Nur sollte man es vermeiden, mich bis neun Uhr anzulabern oder der Morgenruhe mit Stress oder unangebrachter Trödelei im Weg zu stehen…

Ein Problem ist dahingehend der Verkehr. Früher der Berufsverkehr der Straße, der einen als Bewohner einer Seitenstraßen nur mit der Gnade der Hauptstraßenprivilegierten und mindestens fünf Minuten des Wartens in den zähen Fahrfluss eingliedern ließ. Übe dich in Buße und Demut, mache den Geist frei, erst dann wirst du als würdig erachtet zu uns zu stoßen. Oder steige aus und Ohrfeige jeden ignoranten Arsch, der meint, dass sein Zeitplan zu kostbar sei, um nicht einmal 30 Sekunden zu warten. Meine Zeit wächst ja auf Bäumen, der bezahlte Urlaub. Natürlich.
Doch dieses Szenario war einmal. Der Stress ist Geschichte, der entspannte Luxus der öffentlichen Verkehrmittel lässt die Seele baumeln. Zumindest im Stehen. Ich stehe gern in öffentlichen Verkehrsmitteln. Zumeist hinten und beobachte die Menschen. Wer nur sitzend arbeitet und sich nicht halbwegs der Trägheit verschrieb, der wird die Wohltat des aufrechten Ganges begreifen. Doch ich stehe nur allzu ungern in solchen speziellen Situationen.
Mit jeweils einer metallverstärkten Ranzenecke in allen empfindlichen Organen. Die Atmosphäre japanischer Massentransportmittel nun auch im heimischen Niemandsland. Perfekt inszeniert durch deutsche geschulte…oder vielmehr eingeschulte Wänster. Die kaum größer als ihre Schultasche sind und es nicht für nötig erachten, das Ding im Bus abzunehmen, um so für mehr Platz zu sorgen. Nun gut, verständlich. Bräuchten sie doch sicherlich eine Hebebühne, um diese dann wieder aufschultern zu können. Und freiwillig stehen sie ja auch nicht an diesem Ort, zu dieser Zeit.

Da Bildung in diesem Land ja groß geschrieben wird, fristen die Kleinen ihr Dasein nun in Regionalbussen. Keine separaten Schulbusse, mitnichten. Das Getümmel im ganz normalen Verkehr. Sie quetschen sich hinein und pendeln bei jeder Kurve freudig im Takt der sonstigen Arbeitspendler mit. Für die Bildung. Für Deutschlands Bildung. Die reihenweise Schulen dichtmacht, damit andere Schulen wieder in den Genuss der 30-Mann-Klassen kommen können. Muss sich ja auch lohnen. Auch meine alte Schule zerfällt. Wurde vor Jahren geschlossen. Nun sitzen die Grundschüler in diesem Geisterhaus, weil ihr separates Grundschulgebäude saniert werden sollen…wollen…wollte…irgendwann. Passt schon. Der Wille war ja da. Und das bisschen Wasser im Keller; da müssen die Kleinen nun zum Schwimmunterricht wenigstens nicht mehr in die Stadt hineinfahren.
Hauptsache man kann sich an 2,70 Milliarden Fördermittel für die repräsentativen Elite-Universitäten aufgeilen. Damit dort der Elite-Nachwuchs, von Beruf Tochter oder Sohn der Elite-Eltern, ihrem elitären Wissen frönen und in den Elite-Toiletten ihren Elite-Dünnschiss in Form von Elite-Wandkritzeleien auf Hauptschulniveau malen kann. Pardon, Elite-Hauptschulniveau. Ist ja schließlich immer noch die Elite.
Währendessen der Durchschnittstudent zusehen muss, wie er trotz Lager- oder Kellnerarbeit für Gebühr und Unterhalt, die Regelstudienzeit einhält. Und die Bildungsstätten für die breite Masse verrotten. Sowie Gestalten durch deren Flure krauchen, die nicht einmal die Parodie eines Lehrers darstellen, sondern den Alptraum eines solchen. Während den engagierten Lehrkräften schon die Flammen des Burn-Out in den Augen zittern.
Aber die breite Masse war der deutschen Politik schon immer egal. Die Elite ist zu fördern. Lobbyarbeit muss gewahrt bleiben. Wen interessiert der Pöbel. Spendet der? Der wählt doch nur und will dann auch noch etwas dafür. Kann dieser ernsthaft drohen? Je gebildeter die Allgemeinheit ist, desto gefährlicher könnte sie allerdings werden. Am Ende noch zu neuem Selbstbewusstsein finden, anstatt über den Status Quo froh zu sein. Merkst´e was…
Doch Deutschland ist ohnehin so reich an Bodenschätzen, dass es auf exzellente Allgemeinbildung nicht ankommt. Scheiß auf Pisa. Was sagen den Studien aus, die nach Städten benannt sind, die nicht einmal gerade Türme bauen können. Keine Ahnung von Statik aber uns erzählen, wir könnten keinen Dreisatz. Man muss nur die Elite fragen, fünf bis sechs darunter können das. Wenn das unter ein paar tausend Elite-Studenten einige können, wieviel können es dann unter ein paar tausend mehr Abiturienten? Elite…diese handvoll Schmierlappen, die hier studieren, um dann aufgrund ihrer Möglichkeiten ins lukrativere Ausland zu wandern. Mit lukrativeren Arbeitsumfeld, Gewinn und Wetter. Darauf lauernd, dass Deutschland mit einem finanzstarken Heimkehranreiz wedelt.

Womöglich sind auch einige unter denen, die nun im Bus ausharren. Dicht an dicht gedrängt und meinen Toleranzradius in Sachen Körperkontakt vehement missachtend. Die lärmen und sich in modernen Variationen der deutschen Sprache üben. Die in unsicherer Erwartung des Tages aus dem Fenster schielen oder noch immer stumm den Inhalt ihres vor sich liegenden Hefters herbeten. Man verstehe mich nicht falsch. Diese Erinnerung in die eigene Zeit der Notenzwänge und missachteten Hausaufgaben lässt mich innerlich grinsen. War die Zeit doch ebenso beschissen wie beschwingt. Voller Frust und Freiheit.
Und es gibt schlimmere Anblicke am Morgen, als der von 12-Klässlerinnen. So beispielsweise die pickligen Fratzen von Halbstarken die sich und ihren Gesichtsflaum in das Blickfeld quetschen. Während der Bus die nächste rechtwinklige Kurve annimmt und man ohne Halt verkraft nach jeglichem Gleichgewichtssinn sucht.
Zwar dauert dieser Leidensweg nur acht Minuten bis zur erlösenden Üppigkeit der Trams und damit dem Anspruch auf Leere um sich herum. Aber dennoch sind das acht Minuten zuviel.

Bis endlich der Umsteigeplatz auftaucht. Sich die Türen öffnen und die Horde herausplatzt. Sich innerhalb der Haltestelle erst einmal zusammenrotten muss und einem somit erneut dumm im Weg herumsteht. Anstatt Logik und Vernunft walten zu lassen und sich schleunigst zu verstreuen. Haben die denn keine acht Schulstunden Zeit, um dem Austausch pubertätsgetränkter Banalität nachzugehen.
Manche pirschen noch mit dem Spickzettel als Blickfänger an einem vorbei. Sodass man nur aufgrund der eigenen Achtsamkeit nicht mit diesen zusammenrempelt. Man könnte meinen, sie wären heutzutage raffinierter geworden. Nun gut, ich spickte kaum. Kann ich auch offen und ehrlich zugeben. Denn wer sich die Zeit nimmt, so ein Ding zu schreiben, der hätte auch nur noch drei weitere Minuten zum lernen aufbringen brauchen. Doch wenn ich einmal eine Erinnerungsstütze benötigte, so stand dieses in der hintersten Nische meiner Federmappe. Und es konnte schon einmal vorkommen, dass man trotz des sortierten und aufgeräumten Innenlebens 30 Sekunden verstreichen lassen muss, um den Radiergummi aus seinem Gummibandgurt zu befreien.

Doch was soll´s die erste Freiheit dauert an, bis zum Eintritt in das Studio…

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