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Rückblick 2012

Photobucketun, was soll ich schreiben, geschätzte Garde. Das Jahr war scheiße. Nicht kategorisch, aber unterm Strich. Sodass die Momente, deren Erinnerung mir lieb sind, im Schatten derer stehen, auf die ich gerne verzichten würde.

Zum Glück stehe ich damit nicht ganz alleine im Raum. Offenbarte mir mein Zahnarzt eine ähnliche Erkenntnis. Welch ein Glück, dass wir beide uns zu allem Überfluss das Jahr nicht auch noch gegenseitig auf den Keks gingen. Als Antwort bekam ich ein Grinsen, während an meiner Wurzel herumgestochert wurde.
Ja, das Jahr war für die Tonne. Aber warum? Wegen dem Jahr oder etwas, was in ihm geschah? Nur bedingt, hielten sich die Grausamkeiten doch in Grenzen. Es war vielmehr der Kontext in dem das Jahr gestanden hatte. Der Winter 2011, in seiner emotionalen Erbärmlichkeit, wehte unentwegt. Unbeeindruckt vom Frühling, ungerührt vom Sommer und dem Herbste gegenüber gleichgültig.
Aber was soll´s. Geht die Tragödie doch in seinen zweiten Teil über. Denn zu allem Überfluss besaß das Jahr 2012 noch nicht einmal den Anstand, wirklich unterzugehen. Nicht der kleinste Versuch oder wenigstens irgendein Anzeichen das Hoffnung bringt. Nichts. Und so verging in schnöder Belanglosigkeit der 21te Tag des 12ten Monats, so wie sämtliche Tage zu vor und danach. Das… ja das war das eigentliche Drama. Mehr …

Tag Eins, Zwan(g)zig Dreizehn

Photobucketin wenig amüsierte mich die ehrliche Verblüffung am anderen Ende der Leitung schon. Als ich auf die Frage, ob ich von hier aus etwas vom Feierwerk mitbekämen, nur nüchtern antwortete, dass hier sämtliche Jalousien geschlossen seien.

Dass ich einzig den Bildschirm meines DVD-Spielers in Schreibtischrichtung gedreht hatte, mich im Netz durch Kraftsportvideos klickte und nebenher ein wenig trainierte. Sowie im Anschluss wieder auf virtuelle Zombiejagt ging. Ergo: Mich der ganze Zirkus einen absoluten Scheiß interessierte.
Das einzige wohlwollende Zugeständnis, dass ich dem gestrigen Tag geben möchte, ist, dass dieser für den heutigen Morgen traditionell die längste Ruhephase des Jahres erwirkte. Da er bis Mittag sämtliche Idioten von den Straßen und aus der Nachbarschaft fern hält. Und diese noch, dank der Nachwirkungen, auf den Matratzen suhlen lässt.

Wann hatte mich Silvester zuletzt wirklich interessiert? Schätze Anfang der 90´er. Zu fernen Schulzeiten. Da schlürfte ich den anderen Dynamit-Trollen des damaligen Freundeskreises hinterher. Und als Wanst dekorierte ich in freudiger Erwartung das Wohnzimmer. Doch mit der Vernunft? Mit der anbeginnenden Rationalität. Mit dem Moment, ab dem man wusste, dass die Behütung der Kindheit und Jugend nun wirklich für beendet erklärt sein wird und man dem unberechenbaren Frust des gesellschaftlichen Lebens ausgesetzt ist… mit dem Moment sah man nicht mehr die Erwartung des neuen Jahres. Und mit dem Moment zelebrierte man nicht mehr den Tag 1.
Nein, man erinnert sich an die Pleiten, das Pech und die Pannen, erkennt die ungewollten Pflichten und sieht sich dem Tot um gute 365 Tage näher gebracht. Und weiß mit der Erfahrung, dass dieser nächste Tagezyklus nicht besseren werden wird. Wie auch. Dieser kann besten Falls anders werden, aber mehr widerstrebt sämtlicher Kausalität.

17 Jahre verstrichen seit dieser Erfahrung. 17 Jahre Desinteresse. 17 Jahre die Frage, ob ich wohl der einzige bin, der sich so vorkommt, als würde er in einem verdammten Krisengebiet feststecken, und sich nicht wundern, wenn eine Rauchgranate durch das Fenster geflogen kommt. Dicht gefolgt von den Schreien verblutender Sturmtruppen.
Und ein Leben lang Desinteresse, überhaupt einen Pfennig, bzw. einen Cent für diesen Blödsinn auszugeben. Wobei ich aber auch einen Teufel tue, irgendwas zu spenden. Das überlasse ich den Wohlständigen und Wohlhabenden.

In der Tat, dieser Tag kann mich mal. Einfach aus der Frage des Warums heraus. Warum und wozu? Ich hörte bis dato keine befriedigende Antwort, die in ihrer Botschaft nicht ähnliches enthielt wie: »Es ist halt Silvester. Ein neues Jahr. Jungfräulich halt und bereit für neue Abenteuer« Was für ein Gleichnis, das der Proll mit breitem Grienen garniert. Doch habt ihr schon mal mit Jungfrauen geschlafen? Beine breit für neue Abenteuer, is´ klar. Danach weiß man, wie befriedigend ein neues Jahr bei solchen Vergleichen nur werden kann. Doch plumpe Phrasen beiseite, ist das hier ja nicht die Gedankenfreibank.
Ja, warum feiern? Nur um sich den Streit mit der Partnerin anzuhören, die inmitten der Feierlaune der Familie die Leidenschaftslosigkeit nicht versteht und zur persönlich gemeinten Antipathie erklärt? Entschuldigung, aber da habe ich keine Lust mehr drauf. Somit, warum? Nur um am nächsten Morgen den Hund zu erleben, wie dieser lieber platzen würde, anstatt an auch nur eine Pfote auf die nach Kriegsgebiet stinkende Straße zu setzen. Als zitternder Haufen Elend die große Angst des Jahres erlebt. Auch darauf kein Bedarf.

Bin ich doch froh, dass ich mich die letzten Jahre soweit dressieren konnte, dass zumindest die bitteren Gedanken wegblieben. Das mentale Bleigießen mit den Jahreserinnerungen, die man gerne vergessen würde. Die aber über wütender Flamme erhitzt wurden und sich in den Tränen zu dem formten, was man als beschissene prophezeite Ängste für das neue Jahr ansehen durfte.

Und jetzt. Soll ich mich freudig in die leere des Tages 1 stürzen. Was wird nun erwartet? Irgendwelche Vorsätze in das Schweigen der Straße blöken? Arm ist der, der für einen Lebenswandel derartiger Tage bedarf. Vergesst es einfach. Mein Tag war am 21ten. Nein, nicht wegen dem Glaube an den Segen der Erlösung, zumindest nicht im Sinne aller grenzdebilen Predigten. Nein, im Sinne der Wintersonnenwende. Einem immerhin auch greifbaren Tag, der mir sagte, dass die Zeiten wieder besser werden. Mit dem Argument der Natur, der Seligkeit der Sonne und keinen menschlichen Hirngespinsten.

Oder soll ich nun besinnlich das letzte Jahr passieren lassen. Ja. All die Freude. Welche Freude denn, die über das kurzfristige Aufglühen hinauskam? Zugegeben, ich wurde Ausbilder. Kämpfte mich zur fast perfekt bestandenen Prüfung. Obwohl im selben Moment der größte Teil meines Lebens endlich aussprach, dass dieser weiterhin und nun endgültig auf mich scheißt. Nach einer zu langen Zeit der dahinführenden nonverbalen Botschaften.
Ja, Ausbilder, ja, Karriere oder so. Wie ungemein beeindruckend. Doch wen interessierte das? Keinen. Man setzte Energie in ein belangloses Formular. So wie überall. Und doch war es das einzige, was mir einfällt, was jenes Jahr wirklich zum Fundament gereichte. Auch wenn dieses Fundament auf Treibsand steht.
Ansonsten…? Irgendwelche weiteren Vorschläge? Tribute an den Optimismus? Großangelegte Erfolge, die es zu benennen gilt, da diese in das neue Jahre eindringen und dieses zu einer Stufe Richtung Leben penetrieren? Irgendwelche Taten, die ohne mich nicht einfach nur weitergereicht worden wären?
Selbst dieser Blog erstrahlt noch immer in seiner mich anwidernden Unbeholfenheit. Zugeben, die neue Wohnung kratzte am Siegel des Dogmas der Lebensgleichgültigkeit. Wohnraum ist immer gut. Und wenn es auch nur in einem Osten ist, der noch nicht einmal östlich genug liegt, um wieder neue Lebensqualität zu spenden.

Somit, wenn ich an das neue Jahr denke, so macht der damit verbundene Erhaltungsaufwand die Freude ohnehin wieder wett. Quid pro quo. Plus minus Null, würde ich sagen.

Ebenso wie dieses Jahr. Bei dem es fahrlässig naiv wäre, eine Win-Win-Situation zu erwarten. Ein Begriff, der ohnehin schon zu dämlich klingt, um existieren zu können. Und außerhalb der Verwirrungen eines Betriebswirtschaftsstudiums obendrein nicht glaubwürdig erscheint.
Nein, das neue Jahr wird dem alten gleichen. Und dem alten zu allem Überfluss noch gerecht werden. Ein verdammtes Plus-Minus-Null-Geschäft. Ein Trott. Eine Existenz, aus Pflichtbewusstsein. Bei der kurze Freude in der Tristes erstickt. Sowie die Flamme im luftleeren Raum.

Rückblick 2011

Photobucketast zwei Monate sind vergangen. Und wäre ich diesem Brauchtum des Biederbürgers gefolgt, und hätte die letzte Nacht des Dezembers mit ach so guten Vorsätzen sowie Wünschen belästigt, so wäre ich nun um eine Erfahrung reicher.

Nämlich der, dass es ohnehin sinnlos gewesen wäre. So tat ich, was ich in solch´ einer Situation immer tue: Den Tag ignorieren und unbeteiligt zocken. Ohne überhaupt noch einen Schimmer der Besonderheit jenes Datums in den Geist zu lassen. So ungefähr wie Weihnachten und was weiß ich noch, woran sich der Pöbel mit staatlicher Vorgabe zu erfreuen hat.

Zuvorkommend finde ich hierbei allerdings, dass es die Nachbarschaft ähnlich angeht. Von Jahr zu Jahr mehr. Und war es Anfang der 90´er noch grässlich gewesen, da jeder Arsch seine Sehnsucht nach Westböllern oder global-gekauftem Sprengschrott tilgen wollte, so scheint dieses nun gesättigt.
Die Jugend treibt es aus der Vorstadt in die Stadtmitte, die wandelnde Vertreter der Midlife Crisis ebenso. Die Älteren halten sich da ohnehin raus und werden vom Silvesterstadtl abgefangen, vor die Röhrenbildschirme gebannt und somit mit irgendwelchen psyschischen Dummheiten von irgendwelchen physischen Dummheiten abgehalten.
Befand man sich somit noch vor Jahren inmitten der Nachinszenierung des Volkssturms von Berlin oder der Bombardierung Dresdens, so kehrte nun Waffenruhe ein. Bei dem es im neuen Morgengrauen kaum noch ergraute Sprengfragmente zum wegzukehren gibt.

Mir soll es recht sein. Frönte ich noch als Wanst diesem Tage, ließ ich noch die Besinnlichkeit der Weihnachtstage in all ihrer Vorfreude zu. So erstarrte dieses schon seit langem zu einer wochenlangen Lästigkeit. Die eher die innerliche Verachtung und weiterhin das depressive Gedankengut nährt, als dass ich mich jemals wieder ausgelassener Feierlichkeit hingeben würde.

Was feiert ihr eigentlich? Das Ende eines beschissenen Jahres in Erwartung der neuen Tiefschläge. Die Freude darüber, dass der Schmerz des gebrochenen Nasenbeins vergeht, während man sich schon der Hand zur Ohrfeige gegenüber sieht. Nein danke, kein Bedarf.

Und dennoch erlegt einem der Tag den Zwang auf, das Jahr rückzuerinnern. Man wird genötigt, von der Feiertagspropaganda. Die, egal in welche Ecke man sich verzieht, immer mit aufdringlich grellen Farben über das eigene Graubild kleckert.

Was brachte das vorige Jahr. Welcher Nutzen stand im Verhältnis zur verstrichenen Lebenszeit. Zeit, die nie wiederkommt. Zeit, die einem wieder dem eigenen Tode entgegen schob. Zeit der Verschwendung, des Versagens. Zeit des Beweises, der eigenen Unfähigkeit sich gegenüber. Zeit, auf die ich gerne verzichtet hätte. Die ich gerne anders verlebt hätte.
Und doch stand ich mir dafür selbst im Weg. Sodass der Hass auf die Tristes des Lebens zum Hass gegenüber der eigenen Person wird. Zur Verachtung des eigenen Wesens, dem man nicht einmal entgehen kann. Man muss sich ertragen. Und sieht einmal mehr, wie man stumpf dreinblickend ins eigene Verderben manövriert…

1. Was hast du 2011 zum ersten Mal getan?

Als Dozent stand ich in Akademieräumen auf der anderen Seite des Lehrerpults. Es ist interessant, Klassenräume vom Lehrerzimmer aus zu betreten, und nicht mehr von der Raucherecke.
Mein Gefährt zum Ruhestand begleitet. Wenn schon gefangen in der Region, dann richtig.
Fast schon Hoffnung gehabt…aber zum Glück bin ich wieder eines besseren belehrt worden.
Das Training auf Kondition umgestellt. Selbstgeißelung wird noch zum netten Hobby.
Mir wurde die Ehre zu teil, Worte für eine Veröffentlichung beizusteuern.

2. Was hast du 2011 nach vielen Jahren wieder getan?

Eine lange Beziehung zu Grabe getragen…lassen. Vom Fluss der Zeit und vom Lauf des Lebens. Es endet nie und wird nie enden.
Projekte gestartet und verhungern lassen. Das zerrissene Gemüt ist der Todfeind jeglicher Stabilität.
Mich von Ämtern und eigenem Prüfungsstress beleidigen lassen.
Das Erscheinung des Lichtes am Horizont als das gesehen was es ist: als Irrlicht im Sumpfgebiet.

3. Was hast du 2011 nicht getan?

Siehe 2010. Dem Kreislauf des Daseins fügt sich, wer ständig nur im Kreise geht.

4. Worüber hast du dich 2011 am meisten geärgert?

Um mal global zu sprechen »Shut up, dumb fuck«

5. Worüber hast du dich 2011 am meisten gefreut?

Über Begierde.
Über insgesamt 8 Momente des kompletten verdammten Jahres.

6. Welches Ereignis von 2011 war dir gleichgültig?

Der Rest.

7. Welche neu entdeckten Bands haben dich 2011 begeistert?

Abney Park
Forseti
In Slaughter Natives

8. Welche neu entdeckten Bücher haben dich 2011 beeindruckt?

Kam ich dieses Jahr überhaupt zum Lesen? Ich hoffe eines im Sinne eines letzten Geschenkes nun anfangen zu können.
Doch ansonsten arbeitete ich mich durch diverse Exemplare von »Der Wachturm« und »Erwachet!« Derartig objektiv feingeistige Rhetorik erinnert mich immer wieder gerne an den Blick in die Kulissen der röm.-kath. Theologen während meines Studiums. Wenn solche Geigen dann im Himmel sitzen, bin ich doch froh, den Weg zur Hölle geebnet zu haben.

9. Welche neu entdeckten Spiele zogen dich 2011 in ihren Bann?

Skyrim. Scheiß auf diese Realität, wenn man in solche Welten eintauchen kann.
Fable III
Minecraft. Fantasie braucht keine High-Tech-Grafik.

10. Welche neu entdeckten Filme haben dich 2011 fasziniert?

Ich kann mich an keinen erinnern. Fast schon lustig.
Als Serie höchstens »The Tutors« doch jenes wird nun mit Erinnerungen überschattet.

11. Welche kennengelernten Menschen hinterließen 2011 einen bleibenden Eindruck?

Schätze, der »Overlord« und die hiesige Blogarde.

12. Wer ist dieses Jahr gestorben?

Millionen der unwichtigen Gestalten und eine handvoll bekannter Geister.

13. Welche deiner Blogpostreaktionen gefielen dir besonders gut?

Reaktion und Aktionen bedingen sich. Ein Spiel des gegenseitigen Zuwerfens von Happen…

In diesem Sinne…scheiß´ auf eine solche Zukunft.

Rückblende 2010

Photobucketwischen Urin und Unrat wird der Mensch geboren. Auf dieses Zitat stieß ich die letzten Tage, als ich wieder einmal im Fundus lateinischer Weisheiten ein paar besinnliche Viertelstunden suchte. »Inter urinas et faeces homo nascitur« Ein Satz, der mit seiner fast schon bösartig-analytischen Schonungslosigkeit auch von Gottfried Benn hätte sein können. Ein Satz, dem man nur einen weiteren hinzuzufügen braucht, um die Gestalt des Lebenskreislaufes auf den Punkt zu bringen: »Und zwischen Urin und Unrat wird er sterben« Mehr …

Rückblende 2009

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