Tag 5 – Ein Buch, das du immer und immer wieder lesen könntest

Photobucketonate verstreichen wie Tage und Tage wie Nächte. Jenen Aspekt des Lebens und Strebens zu erkennen ist nicht allzu schwer. Diesen Aspekt allerdings zu akzeptieren stellt einen auf die Probe. Wie dem auch sei. Es stellt sich hier die Frage, welche Bücher ich immer und immer wieder lese kann. Die wenigen rein belletristischen Werke, auf die das zutreffen wird, werden, sowie ich beim Überfliegen der noch kommenden Kategorien feststellte, unter anderen Überschriften auftreten. Beziehungsweise tauchte ein zutreffendes Buch schon auf: Alice.
Um die Sache aber etwas aufzulockern, keine Wiederholungen einzubringen und auch Bücher zu nehmen, die beim mehrmaligen Lesen weder durch Erinnerung »langweilen« können, noch allzuviel Zeit abverlangen, gehe ich hierbei in ein anderes geliebte Genre über. Nämlich das einer zeichnerischen Kunst aus Fern Ost; dem Manga. In diesem lassen sich zwei Bände finden, deren Abnutzungserscheinung jedem zeigen werden, dass diese nicht nach dem ersten mal lesen wieder eingetütet wurden, sondern diesem Thema voll und ganz entsprechen.
Und zwar handelt es sich einerseits um die Serie Gunsmith Cats von Kenichi Sonoda. Die ich nun mehr den je hüten werde. Denn es sind die Hefte der vergriffenen deutschsprachigen Erstausgabe. Zwar erschien vor kurzen eine Neuauflage, allerdings in einem komplett anderen Format und wenn man den Kommentaren dazu glauben schenken darf, mit neuer und sehr unschöner Übersetzung. Und wenn schon nicht die drolligen Charaktere oder der brillante Zeichenstiel von der hohen Kunst hinter dieser Geschichte überzeugen konnten, so musste man sich doch eingestehen, dass gerade die Dialoge mit der ungezwungenen treffsicheren Art die Sache perfekt abrundeten. Zudem sollen sich bei der Neuauflage, laut Wikipedia, die sogenannten Soundword allzu lästig in den Vordergrund drängen. Von daher möchte ich lieber nie gezwungen sein, diese irgendwann einmal nachkaufen zu müssen. Dennoch soll es jetzt nicht um Gun Smith Cats gehen, sondern um einen andere Vertreter dieser Gattung, der mich nicht minder begeisterte, aber mich doch mehr inspirierte:

Katsuhiro Otomo – Akira

Was als kleiner Manga in einer Schülerzeitung begann, sollte einige Jahre später seinen Verlag finden und sechs Bände füllen; beginnend 1982 und erst acht Jahre später endend. Anhand der Jahre wird es nicht verwundern, dass diese Bände von ihrem Format und Volumen her mehr an Telefonbücher erinnern, als an Comichefte. Zudem sollte Katsuhiro Otomo eines gelingen. Nicht nur einer der Vorreiter zu sein, die den Manga außer Landes brachten, ihn zu Bekanntheit und erster Popularität verhalfen. Sondern der mit dem dazugehörigen Anime ein Klischee brach. Nämlich der Irrglaube, dass man auch dem Anime ein Disney-Siegel aufdrücken kann. Auch wenn noch heute viele meinen, dass alles nur zum reinen Kinderfilm taugt, nur weil es gezeichnet wurde. Ich weiß noch, dass meine erste Begegnung mit der Geschichte über den Anime lief. Allerdings versickerte in meiner Erinnerung jenes Wissen darüber, wie ich zu dem Film kam. Wahrscheinlich über einen der berühmt-berüchtigten Pizza-Zocker-Party-Plauder-Nächte bei meinem damaligen Kompatres (R.I.F.) Der Anime war wirklich gelungen, auch wenn sich die Synchronisation leider nicht vor Eifer überschlug. Zumindest finde ich es etwas befremdlich, wenn man direkt bei mehreren Charakteren ein und denselben Sprecher heraushört. Das mag recht spannend sein, wenn es als gewolltes Element auftritt, aber diese Intention hatte Akira sicherlich nicht. Auch muss man, wenn man vorher die Mangas kennt, die künstlerische Freiheit akzeptieren, dass einige der Hauptcharaktere eine andere Geschichte auferlegt bekommen; wie beispielsweise die Figur der Kaori.
Aber das, was mich dann doch überraschte war der Schnitt in der Handlung. Denn wenn man den Film mit dem Druckwerk vergleicht, so fragt man sich beim Film schnell »Welche Handlung?« Angesichts der ausufernden Geschichte des Mangas verpufft die einst so schön erzählte Geschichte des Anime zu einem trivialen Nichts. Denn der Film endet in gewisser Weise an der Stelle, an der sich gerade erst einmal die Vorgeschichte zu entfalten beginnt. Wirkt der Film wie eine gesellige Mischung aus Machtkampf zweier Rockerbanden, der selbsternannten Clowns und die Horde um Kaneda, etwas Rebellion sowie eine Priese finstere staatlich-militärische Forschungsmachenschaft; für den Spannungsbogen. So verstrickt der Manga diese drei Elemente zu einem gewaltigen Netzwerk, ohne aber Gefahr zu laufen, sich in unnötigen Details zu verlieren oder Verwirrung zu stiften. Geschickt lässt Katsuhiro Otomo Charaktere auftauchen, skizziert diese so umfassend wie nötig und lässt diese so unsentimental wie möglich wieder verschwinden. Was der Handlung eine packende Intensität, Schnelligkeit und vor allem Zielstrebigkeit gibt, die einen trotz der Dicke der Bände nie ermüden lässt oder gar anödet. Und verpackt alles zu guter Letzt in ein erfrischend destruktives Cyberpunkgewand, das im Grunde schon mehr einem Endzeitszenario gleicht. Wenn auch einem räumlich begrenzten. Von der brillanten Strichführung einmal abgesehen. Somit kann man auch einfach minutenlang vor jedem Bild verharren und diese wie Fotos ergründen und nach Details absuchen.

Inhaltlich schreibe ich nun um den heißen Brei. Doch das nicht ohne Grund. Denn zum einen wäre es sinnlos, diese Handlung stärker oder anders komprimieren zu wollen, als dieses Wikipedia schon tat. Und zum anderen ist es fast unmöglich, einen größeren Abriss zu bieten, ohne dann Dinge zu unterschlagen, deren Erwähnung zwar maßgeblich wäre, aber dazu führen würde, dass die Inhaltsangabe ganze Seiten füllt. Außerdem hat man so die Möglichkeit, unbefangen gegenüber der Handlung, die Reise ins Neo-Tokio der neuen dreißiger Jahre anzutreten und sich einfach überraschen zu lassen.
Ich für meinen Teil werde nur noch sagen, dass jeder, der den Anime zu Akira mag, den Manga verehren wird. Denn dessen Handlung beginnt sich knapp vor der zweiten Hälften in den Trümmern zu entfalten, in denen der Film schon aufhörte. Denn von den knapp 2000Seiten wurden vielleicht ein Zwei- bis Dreihundert zum Laufen gebracht.

Katsuhiro Otomo
Katsuhiro Otomo

Wikipedia antwortet: Katsuhiro Otomo
Wikipedia antwortet: Akira

[ Bildquelle: http://www.cyberpunkreview.com | http://www.entretevagos.com ]

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