Tag 4 – Dein Hassbuch

Photobucketrage an die Regie, warum sollte man Bücher besitzen, denen man eine derartige Sympathie entgegen bringt. Selbst die Schullektüre namhafter Langeweiler des Realismus, Naturalismus und der Klassik, durch die ich mich quälen durfte, wurde zwar schnell wieder vergessen…aber gehasst? Ehe belächelt. Sogar gegenüber den Vokabelbüchern aus Latein, Mittelhochdeutsch und Englisch bin ich milder gestimmt. Also welches Buch sollte ich hassen.

Deshalb nenne ich hierbei einfach einmal mein Lexikon als Beispiel. Zwar ist das Lexikon an sich nicht schlecht, sogar jetzt hübsch gestaltet. Auch wenn es gegenüber speziellen Begriffen hoffnungslos kapitulieren muss und somit das Internet nicht ersetzen und dem einsten Brockhaus nicht entgegen treten kann. Es ist einfach nur ein gewöhnlich bibliophiles Lexikon oberer Preisklasse und deshalb geht mir der ganze Trubel drum herum gehörig auf den Sack. Nicht nur, dass man brav monatlich eine recht unschöne Summe für eine ebenso unerfreuliche Zeitspanne abdrücken muss. Zum Dank lauern einen in regelmäßig unregelmäßigen Abständen diese grinsgeschulten Vertreter auf. Klingen entweder morgens an der Haustür oder belästigen einen abends zur unhöfflichsten Zeit, nämlich nach dem Sandmännchen, am Telefon. „Man ist ja sonst nicht erreichbar.“. Ach, wer hätte das gedacht. Manch einer ja mit Absicht. Denn ich will nicht nur tagsüber meine verdammte Ruhe, sondern auch morgens spät und abends früh.

Aber diese Kundenloyalität erfreut ja eigentlich den ehrlichen Käufer und lässt monatlich eine Träne der Rührung auf den Betrag der Überweisung niederkullern. Oder kommt diese aufgrund des Betrages? Aber was beschwere ich mich. Diese möchten doch nichts böses. Möchten sich einfach nur für die Höfflichkeit der pünktlichen Zahlung bedanken, Blumen und Pralinen überreichen, mitteilen, dass zum Dank der Erstgeborene nun meinen Namen trägt und ganz unverbindlich erwähnen, was man sonst noch kaufen kann. Aber nur ganz nebensächlich für 25 Minuten Lobpreisung und Aufschwatzrhetorik, nach den 20 Minuten selbstverherrlichten Getue, Anhimmlung, Aufgeilung und der Mühe das Buch nicht durch vorzeitige Ejakulation zu beschmutzen und damit möglicher Weise im Wert zu mindern. Man weiß ja anfangs nie, worauf der Kunde so steht. Ich für meinen Teil würde zum Beispiel darauf stehen, dass der Dank über die unproblematische Bereicherung des Verlages wirklich ersichtlich ist. Anderseits, was erwarten diese Intelligenzbestien, dass ich drauf stehe monatlich die Mahngebühren zu sammeln oder motiviert dreinblickende Eintreiber im Hausflur stehen zu haben?
Von daher bricht es mir immer das Herz, wenn ich nach geduldigem Zuhören und Lebenszeitverschwendung in geübter Diplomatie und gespielter Begeisterung die albernsten Argumente hören darf und dann traurigen Blickes mein Treuegeschenk versagt bekomme. Da ich nicht das Zusatzbuch kaufte, welches ja bloß noch einmal so viel kostet wie der ganze Scheiß schon insgesamt. Wie undankbar von mir. Bin ich doch schon in der glücklichen Verfassung einer der ersten fünf Kunden zu sein und in besitzt der ober-affen-geilen Edel-Hochwert-Sonder-Deluxe-Ausstattung mit Platinprägung und mundgerissenem windkanalgetesteten Bisamrattenleder. Und welch Verblüffung, dass mir das damals nicht gleich gesagt wurde. Denn dann hätte ich doch glatt drei Sätze des Bandes gekauft. Noch einen als Toilettenlektüre, immerhin ist das Papier abwaschbar und den Dritten, um damit die nachrückenden Vertreter zu bewerfen.

Der nächste Clown erzählt mir dann bestimmt, dass die Bisamrattenart heute ausgestorben sei und mein Exemplar deshalb um ein Vielfaches wertvoller geworden ist, als man es zum Zeitpunkt des Kaufes für möglich hilt und überhaupt, wie ich mich doch freuen kann, der einzige in ganz Deutschland…ach was soll die Bescheidenheit…der ganzen Welt zu sein, dessen Bücher darin gebunden worden sind. Ja, darf ich den Bauernfangwitz noch einmal in Farbe hören?
Freunde, ich kaufte damals ein Band des Wissens. Also warum werde ich deswegen für derart beschränkt gehalten, dass man versucht mich mit diesen abgekasperten Plattitüden weiterhin zu belästigen oder gar zu ködern. Ich benutze die Bücher nicht als Briefbeschwerer oder Unterlegmaterial. Ich lese darin, also haltet mich nicht für blöder als ich bin und aussehe. Und gebt euch nicht noch mehr Mühe, damit ich diesen Kauf mehr und mehr bereue und das Lexikon damit emotional verbinde. Eine freundliche Geste des Dankes würde ich darin sehen, dass man mir nicht weiter auf die Eier geht. Und nicht, dass alle Jahre wieder ein anderes Vorzeigeklischee des smarten Vertreters an meiner Tür zur spontanen Zwangskonversation und Maske der Freundlichkeit nötigt. Denn wenn demnächst der Preis getilgt ist, bekommt jeder Verkaufsschmierlappen mit Gurkenkönigcharme, der mir weiterhin etwas vom Pferd erzählen will, vom selbigen in den Arsch getreten; zumindest wenn er richtig herum steht.

Besten Dank.

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