Gothic Friday – Dezember: Subkultur in eurer Stadt

Photobucketängst ruht der Freitag in den Sphären des Gestern. Vieles war gesagt worden und manches noch verschwiegen. Sowie mein Kommentar zum letzten Aufruf. Dessen vorenthalten nie in meiner Absicht lag.

Die Subkultur in meiner Stadt. Meine Stadt. In welcher Stadt existiere ich überhaupt? Wenn es in Deutschland urbane Zentren gibt, an denen man sich Erfolg und Erfüllung versprechen könnte, so liegt meine Heimatstadt am weitesten davon entfernt. Zumindest weit genug, um solche Orte für geografische Anomalien zu halten oder als reine Drehbucherfindungen für das Fernsehen zu deuten.

Davon einmal abgesehen ist der Begriff »Heimatstadt« zu relativieren. Nutze ich diesen zwar, weil es meine Geburtsstadt ist, die mich nun wieder aufgenommen hatte, aber mehr auch nicht. Nüchtern, sachlich und nur aufgrund der begrifflichen Korrektheit.
Als Heimat bzw. als Heimatstadt sah ich ganz andere Gegenden an, in denen ich bis dato Lebenszyklen unterschiedlicher Länge verbrachte oder dort nur kurz verweilte.
Diese Stadt hingegen ist wie die Stiefmutter, die einen aus reinem Pflichtbewusstsein aufnahm oder nur, damit die Nachbarn nicht schlecht über sie redeten. Und ebenso ist meine Bindung zu ihr. Sie ist zweckmäßig, da vertraut. Und zu erdulden, wenn man nichts von ihr verlangt. Ausreichend, aber sicherlich keine Spenderin von Heimatgefühlen.

Dennoch ist diese Stadt angenehm, da dieser eine niedrige Kriminalitätsrate innewohnt. Aufgrund der Überalterung. Der hiesige Altersdurchschnitt verursacht keine Delikte mehr. Schulen werden geschlossen, von Betreibern des Betreuten Wohnens aufgekauft und umgestaltet. Ein rentables Geschäft. Zumindest bis die Alten aussterben, denn die Jungen altern woanders.
Man lebt hier ruhig, wenn man nicht gerade von Proleten angemacht wird, von der Kameradschaft verdroschen oder von Migrationshintergrund aufgeklatscht wird. Man hat seine Ruhe, wenn man einfach auf gewohnten Routen bleibt, die Trams meidet und sich an die Spielregeln hält. Zumindest ab der Dämmerung.

Dieses zu der Stadt. Und zu dem Szenetreiben? Keine Ahnung, ich passe. Vor 15 bis 13 Jahren hätte ich immerhin mit ungefähr drei Clubs prahlen können. Selbst in diesem kleinbürgerlichen Moloch. Ebenso mit lohnenden Abend im angenehmen zu erfahrenden Umkreis. Aber am heutigen Tage liegen die Clubs außerhalb der Bundeslandgrenze oder in Richtung des gegenüberliegenden Grenzlandes, was vom Abstand und Aufwand ungefähr auf das Gleiche hinausläuft.
Und habe ich Motivation, fünf Euro Eintritt und merkliches Autobahn-Landstraßen-Amok für einen Clubabend über mich ergehen zu lassen? Theoretisch ja. Praktisch nein. Denn fünf bis sechs Stunden Cyber-Techno bekomme ich auch billiger bei youtube geboten.

Und zu der Szene ansich? Ebenfalls keine Ahnung. Und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht sonderlich. Wann immer ich in den Kommentaren zu den Thesen des Overlords solche Phrasen las wie: »Früher, ja früher grüßte sich noch jeder Gruftige auf der Straße« Früher salutierte man auch noch vor einem kleinkarrierten Kaiser mit lächerlichen Bart oder grüßte mit ausgestrecktem Arm vor einem mental-defekten Spießbürger mit noch lächerlicherem Bart oder bekam Unterarmkrämpfe beim Pioniergruß vor einem paranoiden Arbeiter ohne Bart.
Heute allerdings lese ich so etwas mit verächtlichem Abwinken, da es mir nicht im Traume einfallen würde. Ganz im Gegenteil, ich definiere die Verzückung meiner Eltern, die denen beim Anblick eines Schwarzkittels entfleuch, als lächerlich.

Gelegentlich sehe ich Vertreten dieser Spezies durch die Straßen huschen. Gestalten, deren monochrome Eitelkeit und betont farblose Zierte davon zeugt, dass sie keine versehentlich überschwärzten Emos oder Metaller sind. Wobei der Emo ohnehin ausgestorben zu sein scheint.
Doch was soll´s. Schließlich bin ich ein gerechter Mensch und ignoriere diese Gestalten ebenso offenkundig, wie ich das Restbürgertum mit Gleichgültigkeit beglücke. Eben so wenig bin ich gewillt, jedem um den Hals zu fallen, nur weil dieser zufällig ein paar der Interpreten fehlerfrei buchstabieren kann, die auch ich höre.

Ich kenne aus dieser Stadt keinen Szenewandler, weder namentlich noch sonstwie. Einzig vom Wegsehen her kommen mir eine handvoll davon bekannt vor. Selbst von den andersweiten Bekanntschaften jener Gegend kenne ich niemanden wirklich privat. Alles ist anonymisiert oder auf das Oberflächliche begrenzt. Demzufolge verbirgt sich auch die Stadt als Szenehabitat vor meinem Blick. Da ich nicht suche, finde ich auch nicht. Ich hege kein Interesse daran zu wissen, demzufolge offenbaren sich mir auch dahingehend keine Fragen.

Nur manchmal gedenke ich der Vergangenheit innerhalb dieser Straßen. Denke zurück an die Partys im kleinen Kreisen, die routinierten Abende in kleinen Clubs. Man kannte sich nicht und war sich doch nicht unbekannt. Man zog mit dem Freundeskreis durch die Stammclubs. Grüßte den DJ wie einen alten Freund und wühlte in dessen CD-Koffern, mochte die Spiellisten, schaute nicht auf das Budget und lebte das Leben der Nacht. Doch das waren andere Geschichten einer längst vergangene Geschichte.

Nur manchmal beneide ich mein Alter Ego in diesen Erinnerungen, da er noch immer solche Momente erleben kann…

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