Fragen an die Kindheit

Photobucketie beste Möglichkeit um Wissen zu erlangen ist: Fragen zu stellen. Sei es gegenüber Sachverhalten oder gegenüber sich selbst. Es gibt keine bessere Weise sich selbst kennenzulernen, als durch die Beantwortung von Fragen und den daraus gezogenen Rückschlüssen. Aufgrund der Objektivität sollten die Fragen vordiktiert sein. Zudem sollte der Wille zur Beantwortung bestehen. Bei mir ist ein solcher Wille allgegenwärtig. Meist schnappe ich die Frage auf oder sie entstehen nebenbei in meinem Kopf und auf eben dort beschränkt sich auch die Beantwortung.
Aber was soll eine Kategorie »Selbstbild« wenn ich nicht einmal den Schritt aus der Anonymität meiner Gedanken wage. Ob ich diesen Artikel allerdings hier drinnen stehen lasse, kann ich noch nicht sagen.

Gefunden habe ich dieses übrigens bei Salticus Feles. Anfangs stöberte ich darin, um kurze geistige Zerstreuung zu finden, aber kurze Zeit später ratterte wieder das Uhrwerk in meinem Schädel. Und die Laterna Magica meiner Erinnerungen begann Bilder zu projizieren, an die ich seit Jahren nicht mehr gedacht hatte.
In diesem Sinne; meine Antworten (Begrenzung in eigener Sache bis zum 10ten Lebensjahr)

01) Was wolltest Du werden, wenn Du groß wirst?
Verheerender Weise kann ich mich nicht erinnern, jemals einen -zur damaligen Zeit- ernst gemeinten Berufswunsch erdacht zu haben. Ich kann mich nur an eine Schulszene erinnern: Es hatte gerade zur Pause geklingelt und ich unterhielt mich mit weiteren Mitschülern angeregt über meine beruflichen Zukunftspläne, dabei ließ ich recht überzeugt verlauten, dass ich Panzerfahrer werden wollte. Allerdings deutet meine Erinnerung auch darauf hin, dass die anderen mit ähnlichen Berufslaufbahnen antwortete. So dass meine damalige Vorstellung von -was werde ich, wenn ich groß bin- nicht von irgendwoher kam, sondern wir mit Sicherheit wieder dahingehend impfenden Unterricht bekamen oder dieses zumindest als Thema hatten. Aber wie gesagt, ich kann mich an keinen Berufswunsch erinnern. Wohlgemerkt, ich kann mich bis Mitte 20 an keinen Berufswunsch erinnern.

02) Wen wolltest Du heiraten, wenn Du groß bist?
Als Wanst hat man auch jede Menge Blödsinn von sich gegeben, gespielt oder gemacht. Aber solches Gedankengut war »Mädchenkram« dem man damals mit dem nötigen wie möglichen Maß an Chauvinismus entgegentrat. Ich weiß aber, dass man mich im Kindergarten mal heiraten wollte, aber sie entschied sich zu ihrem Glück doch bald wieder um.

03) Was war Deine Lieblings-Eissorte?
Mein Lieblingseis gab es nur in einer Sorte. Und zwar russisches Eis am Stiel, welches es nur zu besonderen Festtagen im Straßenverkauf gab. War ein recht kleines flaches Vanilleeis mit Schokoladenüberzug gewesen. Wie gesagt, nur eine Sorte in der immer gleichen Papierverpackung mit den blauen diagonalen Streifen. Da war ich recht wild drauf, denn es war das einzige Eis am Stiel das es bis 1989 überhaupt gab.

04) Dein Lieblingsspielzeug?
Eigentlich meine Phantasie, aber auf materieller Ebene eine von diesen standardisierten DDR-Gummimäusen. Meine Mutter nähte mir dafür sogar einen Umhang (Cape) und winzige Schuhe. Zudem bekam die Maus einen roten Irok aufgemalt, einen Ohrring und als der linke Fuß abbrach eine Prothese in Form eines Nagels. Diese wurde zudem Protagonist in dutzenden Abenteuern, Bildern und selbstgemalten Comics.

05) Wovor hattest Du Angst?
Vier Dinge machten mir als Kind Angst. Von denen ich zwei bis heute behielt. Vergangen ist meine Angst vor Friedhöfen. Ich weiß nicht warum, aber ich konnte diese einige Jahre weder sehen noch betreten. Ebenfalls auf der Strecke blieb meine Angst vor Gewittern. Solang dieses nicht unmittelbar über mir wütet sind sie mir egal. Geblieben ist allerdings noch heute eine Skepsis vor alten und/oder verwinkelten Treppen. Denn wenn deren Ende in Dunkelheit steht, weiß ich nie, was mich dort erwartet. Ebenso meine Angst vor dunklen Räumen. Keine pauschale Angst vor der Dunkelheit, sondern nur manche Räume in manchen Häusern. »Was sehen Sie, wenn Sie im Dunkeln alleine sind und die Dämonen kommen« dieses Zitat aus »pest« von :wumpscut: hat für mich eine ungewollt biografische wie tiefsinnige Bedeutung.

06) Wer war Deine beste Freundin/Freund?
Natürlich der Genosse Volkspolizist…
In der zweiten Klasse wurde wir zusammen an einen Schultisch gesetzt. Ganz verbindlich, so wie es damals üblich war. Anfangs konnten wir uns nicht wirklich leiden, aber spätere Jahrgänge machte schon kaum mehr ein Lehrer den Fehler uns nebeneinander zu setzen. Wir alberten rum, störten, ließen uns aber im Gegenzug dazu kaum stören und attackierten unsere Schulhefte gegenseitig mit Stiften oder -als Stempel missbrauchten- Radiergummis. Dementsprechend individuell gestaltet waren auch unsere Aufzeichnungen. Ich bewunderte ihn wegen seiner Fantasie und seinem künstlerischen Talent. Sei es mit Bleispiel und Pinsel oder später mit der Mouse. Aber je älter man wurde, umso stärker bildete sich das Phänomen heraus, das er das aussprach, was ich gerade dachte und anders herum. Wir verbrachten in der Jugend verdammt viele Nachmittage, Abende und Nächte zusammen. Sei es beim plaudern, zocken, Filme schauen und dabei fast immer Pizza futtern. Allerdings verlor man sich nach der Lehrzeit verstärkt aus den Augen und als ich dann durch die Bundesländer tingelte brach der Kontakt völlig ab. Leider gibt es ihn nicht mehr. Nicht mehr als Freund, aber was vor allem zu betrauern ist, auch nicht mehr als Mensch.

Was die beste Freundin angeht. Ich gehöre zu denen, die damals nicht mit einem derartig selbstbewussten Auftreten gesegnet waren, welches Freundinnen anzog.

07) Was war Dein Lieblingsschulfach?
Alle die ausfielen. Bis einschließlich der 10ten Klasse maß ich der Schule eine derartige Bedeutung bei, dass mich nichts wirklich interessierte. Die besten Noten bekam ich zwar im Kunstunterricht, aber mein Lieblingsfach war auch das nicht. Ich bin eben nicht bestechlich. Beim Abitur vermochte mich die Hälfte der Fächer zu begeistern. Aber damals in der Kindheit…am wenigsten nicht interessierte mich Geschichte. Dafür sitzen meine absoluten Hassfächer wohl noch am Sterbebett in meiner Erinnerung. Sport und Schwimmen. Ich liebe Sport, ich bin seit damals enorm sportlich geworden, aber Schulsport…Schwimmunterricht war immer montags, somit versaute es mir das Wochenende. Wobei es damals nicht wirklich Wochenenden gab, wir hatte ja noch Samstag regulär bis Mittag Unterricht.

08) Was war Dein Lieblingsbuch?
Es gab schon damals mehr als eins. »Die großen Abenteuer des kleinen Ferdinand« von Ondrej Sekora. Es wurde 1992 sogar wieder verlegt. Ich hoffe, ich habe das noch irgendwo. »Das Katzenhaus« von Samuil Marschak und Erich Gürtzig sowie die Bücherreihe von Alexander Wolkow.

09) Deine Lieblingsserie?
Mein kontinuierlicher Fernsehkonsum kam erst später. Aber ich mochte damals »Spielhaus« und »Nu, pogodi!« ganz gerne. Die Serie mit dem Hasen und dem Wolf, nicht zu verwechseln mit dieser Marionetten-Anstandspunk-Goth-Band.

10) Was wolltest Du nie sein, wenn Du erwachsen wirst?

Erwachsen.

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