2ter Februar 2010 – Ich sehe was, was ich nicht such´

Mit der Zeit hat man sich an die Suchmaschinen gewöhnt. Es wird der Browser geöffnet, der Suchbegriff oder die diesen definierende Wortkette eingegeben und fertig. Mit dem Pauschalverweis auf Wikipedia wird einem sofort genügen Information gewährt.
Es ist für mich schon in ein vorsintflutliches Weltbild gerückt, dass ich zur Anfangszeit des Abiturs Referate noch mit dem obligatorischen Gang zur Bibliothek begann. Dort zuletzt sieben Wälzer zu einem Thema rausschleppte und mit Hilfe des Index und gelerntem Schnelllesen abarbeitete. Handschriftliche Notizen anfertige und diese letztendlich übertrug.
Nicht zu leugnen ist da der Fortschritt, einfach nach Schlagwörtern vorsortierte Absätze zu markieren, sich mit [Strg] + [S] zu leihen und dann nur noch nach Richtigkeit überprüfen zu müssen sowie nach Informationsgehalt abzuarbeiten. Allerdings ist es umso frustrierender, wenn einem dieses Medium spontan im Stich lässt. So toll sich diese Suchmaschinen auch vorkommen dürfen, komplexe Fragen beantworten können diese einem noch nicht. Auch wenn wohl daran gearbeitet wird, so half mir das heute herzlich wenig. Genervt suchte ich nach einem Begriff und konnte ihn nicht finden. Ich wusste nur, es war etwas mit -[koːp] am Ende. Diese runden Dinger mit den Steinchen und Spiegeln an einem Ende und der Linse am anderen. Durchschauen, drehen und vor dem Auge bilden sich immer neue und andersartige kristalline Muster. Altes bekanntes Kinderspielzeug, mit dem ich als Wanst auch oft begeistert vor dem Fenster saß. Aber ich kam nicht drauf, wie diese Dinger genannt wurden. Also wurde gesucht.
»kop, spielzeug« Wunderbarer Fundus von Teleskop, Mikroskop und Stethoskop. Stethoskop und Spielzeug. Ist klar. Also die Begriffsspanne ausgeweitet:
»kop, steinchen, bunt, spielzeug, drehen« keine Chance;
»spielzeug, spiegel, optik, bunt, steinchen« nicht das Geringste;
»Spiegelung, optik, bunt, plättchen« seitenweise nichts, kein Erfolg, kein gar nichts.
»optische spiegelung, kristall, bunt, drehen, spielzeug« Langsam gingen mit die Suchbegriffe aus und um nach drei Stunden wenigstens ein Erfolgserlebnis bei der Suche zu erhalten, entlud sich mein Frust in den Suchbegriffen »fuck, off« 36.200.000 Treffer, oberer sogar Wikipedia. Aber noch immer kein Bezug zu meinem gesuchten Begriff. Dafür die Erkenntnis, dass ich zum Fluchen gerne man die englische Sprache nutze. Keine Ahnung warum, vielleicht weil es das einprägsamste der englischen Filme ist.
Also drei Stunden Zeit verschwendet. Schön. Und damit bin ich aus dem Schreibfluss und aus der Atmosphäre gerissen wurden. Betreffende Textstelle also markiert und einen Kommentar gesetzt, der mich daran erinnern sollte, dass dort noch der Begriff fehlt. Der Begriff »Kaleidoskop« Nach nochmals einer dreiviertel Stunde tauchte der Begriff wie selbstverständlich in meinen Gedanken auf. Kaleidoskop. Ein kurzes Glücksgefühl durch das Hirn und die Gewissheit, dass man dennoch unnütz Zeit verlor und wieder mühsam die Atmosphäre des Kapitels aufbauen muss, um beim Weiterschreiben anknüpfen zu können. Und das alles, weil die Suchmaschinen zu begriffsstutzig sind, um das Kaleidoskop mit »optik, bunt, kristall, spielzeug, kop oder drehen« in Verbindung zu bringen. Na besten Dank dem unerschöpflichen Wissen des Netzes, denn all diese Suchbegriffe findet man sogar bei Wikipedia. Dumm nur, dass sich Wikipeda bei der Begriffsfindung so unglaublich dumm stellt…

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