Die Pest zu Pessach

Photobucketnd da stehen sie wieder an den Kassen. Belagern die Konsumtempel zum neuen Opfergang. Legen ihr Geld dar, um den Segen zu empfangen. Die göttlichen Gaben aus einfachkettigen Kohlehydraten, dreistelligen Es und Schadstoffe, umschlossen von tierischen Fetten.
Ducken sich anschließend in voller Demut hinter den Berg ihres aufquellenden Wagens. Menschen, die man selbst schon vor zwei Tagen in der Kassenschlage sah. Menschen, die überhaupt keinen Hunger mehr kennen. Hauptsache satt, satt, satt. Und das Horten von Fressen zum letzten Symbol ihres verlorengeglaubten Wohlstandes erklären.

In vergangenen Zeiten wurden an besonderen Tagen auch die besonderen Gerichte aufgetischt. Heute wurde das Besondere schon längst alltäglich. Gewöhnlich und ungeachtet. Jeder Penner kommt an Tabak. Jeder arbeitsfaule Sack hat täglich sein Fleisch auf dem Teller. Jeder Mittelschichtsteilhaber lässt heutzutage ungeniert Dinge im Kühlschrank vergammeln, die früher nur eines Aristokraten Lagerkeller füllten.
Doch an solch´ ungewöhnlichen Tagen muss man auftrumpfen, kann nicht mehr mit dem gewöhnlichen Luxus für Freude sorgen. Kann nicht mehr mit Qualität bestechen, sondern nur noch mit Quantität die Augen zum leuchten bringen. Allein noch mit Masse. Qualität ist allgegenwärtig. Und das Gewöhnliche schon längst als unzureichend entsorgt worden.

In einem Land des Überflusses muss man sich davon einmal Erholung gönnen dürfen. Und mit diesen Worten seine Strebergarten belagern. Grillen, Braten, Brutzeln, zum erneuten fressen und endlich saufen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Dann immerhin das kalte Bier im Schatten. Ist doch das kalte Bier zum Feierabend und auf dem Sofa schon freudlose Gewohnheit.
Während anderswo die Menschen nicht wissen wohin vor lauter Sonne, selbst gebraten werden, auf nackter staubiger Straße und dankbar sind über die Schüssel Reis, welche die einzige Mahlzeit des Tages darstellt. Und mit ehrlicher Begierde schlürfen. Eine Brühe, versetzt mit Brackwasser, das wir nur von dem Einlaufbecker der Kläranlagen her kennen.

Stattdessen Cola und Zuckerwasser in uns hineinkippen und klagen, dass die eigene Wampe sich in Wülsten wölbt. Schon wieder die ersten Schweißperlen über den Speckhals rinnen. Das Leid des Konsumenten im Hades der Habgier. In dem kein Platz mehr für Unterernährung und Mangelwirtschaft ist. Wurde doch der Tag schon zu sehr durch das ausverkaufte Grillsteak strapaziert und gezerrt an der guten Laune.

Sodass wichtige Themen wieder herhalten müssen, um die Stimmung zu heben. Finanzgeschäfte, Karriere, der Hubraum des neuen Autos, der Gewinn der Fußballmannschaft. Um ein Alibi zum weiteren Kauen und Schlucken entstehen zu lassen… Jenseits des Hungers, doch inmitten der fröhlichen Runde. Wer nicht frisst ist Spielverderber. …Und mit seiner Ignoranz des heutigen Tages schon die Katholiken zu Mahnworten und Thesen der Erinnerung zu verleiten.
Sie dazu zubringen, doch zu weniger Ausgelassenheit, Spaß, Spiel und Vergnügungen aufzurufen. Und lieber an die Tragik der Tage zu denken. Zu appellieren an die Andacht der gewöhnlichen Lebensfreude. Nicht nur die Auferstehung zu beschaufen, sondern auch an das ans Kreuz schlagen des scheinbar fiktiven und doch eventuell wirklich realgewesenen jüdischen Propheten aus Nazareth zu erinnern.

Des einen, der starb, um uns alle mit der Schuld zu knechten. Vor rund 2.000 Jahren. Und wenn auch nicht nachgewiesen, so doch lieber das als Grund, als permanent an den wirklich greifbaren Tod zu denken. Und sich dessen Realität eingestehen zu müssen. Zu gedenken an die stündlichen Passionen, die seitdem geschahen sowie geschehen und eigentlich auch vor dem heutigen Tag nicht halt machen.
Doch wer denkt daran, wenn die Medien fern sind und es einem die Kollektivmoral einmal nicht befiehlt. Kein Schwein. Hauptsache man denkt daran, dass das Fleisch auf dem Grill keinen Saft verliert.

In diesem Sinne…frohe Ostern

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