Reinheitsgebot

Der Frucht edelste Seele ist der Wein
Und meiner wird dies auch immer sein
Nur die beste Auslese, die ich in ihn schäle
Weder Dreck noch Unrat noch Keim
Nur makelloses Obst, das ich erwähle

Geduldig gereift in großen Holztonnen
Fernab vom Schmutz, der Hektik und der Tage Sonnen
Nun, ich könnte mehr herstellen, vielmehr gären
Aber ich bleibe bescheiden,
Die Menge der Fässer ist mir genug
Es wäre nur Betrug, dem Mehr zu neiden.

Allein diese Sorgfalt wird sich immer bewähren
Und nur wenige Fässer können das reinste Gut gebären…

Siebzehn Jahre Perfektion im simplen Verfahren
Das Einzige das ich erreichen muss,
ist jedes Jahr wieder eine Reinheit zu waren.
Nicht zu zerstören, selbst durch den kleinsten Kuss.
Und niemals den Trick, mein Geheimnis offenbaren.

Rein ist, wer Keusch bleibt,
sich nicht die Sünde einverleibt.
Denn wer Unreines berührt wird unrein
und war die Schuld auch noch so klein.

Deshalb habe ich Dich gewählt.
Das einhalten der Reinheit ist alles was zählt.
Du bist es und wirst es nun für immer sein,
noch kein verruchter Samen floss in Dich rein.
Unschuldig der Blick, das Blut schön jung,
noch kein Ei ist in Dir gesprung´.
Noch kein Verlangen trübt Deinen Sinn
und lenkt Dich zur Befleckung hin.

Deshalb habe ich Dich eingeladen,
zu mir nach Haus´ und nichts verraten.
Vertraue mir,
denn Vertrauen ist leicht, vor allem als Kind.
Besonders bei Mädchen die noch Kinder sind.

Hier zu übernachten gestatte ich Dir.
Mein keuscher Blick, das Kreuz an der Wand
und neben der Kommode Marias Schrein.
Ich möchte ja auch nur edelsten Wein,
mit Gottes Hilfe und des Teufels Hand.

Ich werde Dich in die Wanne stecken, du sollst baden,
und dich säubern
Und morgen Früh werde ich dich wecken.
Ganz ohne Müh, schlaf dich aus, in diesen sauberen Betten.

Das Wecken war eine Lüge, vergib mir bitte,
denn ewig schlafend tauchst Du nun aufrecht
in der Mitte meiner wohl größten Tonne.
Nur die Zehen berühren den Grund.
Dieselbe Gunst wie Sarah, Conni, Anja und Ivonne…
Die Augen zu und geschlossen der Mund
Nackt, rasiert und eingelegt in meinen Wein
So wie Gott Dich schuf, makellos und rein
Für dessen vollendeten Geschmack
und seinen klaren frischen Schein.

Guldhan (2000)

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