24ter Januar 2010 – Bewerbungsfrohsinn

Ein paar Tage Arbeit und es kam wirklich ein Gestaltungskonzept heraus, das mir gefällt. Bin beeindruckt, dass ich doch zu so etwas fähig bin. Zugegeben, dieses sagte ich schon zur ersten Version. Aber es ist ein Unterschied, ob man das Resultat aus Mangel anderer Ideen für gut befindet oder ob man es voller Überzeugung gutheißt.
Einige wurden auch schon durch die Glasfaserkabel gejagt und nun darf voller Hoffnung auf die erfahrungsgemäße Ignoranz gewartet werden. Vielleicht erdreiste ich mich auch zuviel zu verlangen. Vielleicht ist es auch meine persönliche Arroganz, die mich davon abhält, jede Woche untertänig telefonisch um eine Antwort zu bitten und betteln. So wie es einem im Bewerbertraining beigebracht wird. Allerdings, warum soll man das tun? Um damit seine Interesse an der Stelle zu verkünden? Na wunderbar, bisschen naiv oder bisschen verarschend? Als ob man das nicht schon mit genau dieser Bewerbung täte. Wenn ich keine Antwort bekomme, dann bestimmt nicht, weil der jeweilige Verantwortliche erst auf meine Rückfrage wartet, um mir das mitteilen zu können. Mitnichten. Man bekommt keine Antwort, weil man denjenigen völlig egal ist. Die eigene Person steht im unökonomischen Verhältnis zum dafür kalkulierten Zeit- und Kostenaufwand.
Bei papiernen Bewerbungen kann man Gründe des Arbeitsaufwandes und des Portos geltend machen. Da hätte ich ja auch Verständnis für. Aber bei emails ist die Ausrede des Portos unangebracht und der Arbeitsaufwand hält sich auch in Grenzen. Ein kurzer Klick auf den Antwortbutton, schnell: »Danke nein, du bist unwürdig« getippt, kurz auf senden klicken und fertig. Wieviel Zeit würde das beanspruchen? 20 Sekunden Diebstahl von der Mittagspause? Wie dreist von mir, somit bei einer ausbleibenden Reaktion negativ emotional zu reagieren. Sollte ich doch lieber meinen faulen Hintern zum Telefon bewegen und die Vorzimmerdame mit meiner Person belästigen, ihr dadurch noch mehr Zeit stehlen und so oder so keine positive Antwort bekommen. Denn diese wäre ja sicherlich verschickt wurden. Manchmal kommt mir das alles so unlogisch Inszeniert vor…

3 Gedanken zu „24ter Januar 2010 – Bewerbungsfrohsinn

  1. Da sprichst du ein Thema an vor dem es mir jetzt schon gruselt: Irgendwann Opfer von Bewerbungsunterlagen zu werden, den Briefkasten zu öffnen und von einer Flut dicker Briefumschläge erschlagen zu werden. Verwunderlich eigentlich, dass der Tag bisher nicht gekommen ist, immerhin läuft mein Gewerbe nun schon über ein Jahr und selbst mit irgendeinem meiner inzwischen toten Projekte (damals noch ohne Gewerbe) bekam ich eine Anfrage nach einem Praktikum (per E-Mail).

    Was mit den ganzen Bewerbungsunterlagen anfangen? Zurückschicken kostet Porto, wegwerfen finde ich unangebracht und jedem persönlich absagen ist mir zuviel Arbeit, eine Vorzimmerdame existiert nicht, ich sitze schließlich in meinem Wohnzimmer und im Flur will ich nun wirklich keine Frau mittleren Alters einquartieren. Nun, ich hoffe einfach mal darauf, dass die Bewerber alle schlau genug sind, dass sie nicht versuchen sich bei einer Firma ohne Rechtsform zu bewerben…

  2. Ach ja, dich gab es ja auch noch, die Bewerbungsunterlagen werden bald verschickt ;)

    Ich erwarte ja auch keinen großen Aufwand. Aber gestern kam sogar von einer Agentur eine kurze Rückantwort per email und das schätze ich. Zudem behaupte einfach mal ganz frech, dass man diverse Alibibewerbungen von ernst gemeinten Exemplaren unterscheiden kann.
    Überhaupt finde ich den Fetisch der schriftlichen Bewerbung längst überholt. Denn in vielen Branchen gehört die Internetverbindung bei Arbeitgeber- und Nehmen zum häuslichen Standard; also warum den ganzen Wust noch extra zur Post bringen.
    Genauso diese Inszenierung beim Bewerbungsgespräch oder überhaupt im Anschreiben. Ohne jetzt womöglich zukünftigen Interessenten auf den Schlips zu treten. Aber warum muss man so tun, als hätte man sein Leben lang nur auf diese Stelle gewartet und sich nur für diese Stelle vorbereitet? Am Besten zeigt man noch ein Foto, welches beweist, dass im Wohnzimmer ein Schrein zur Anbetung eben dieser Firma existiert. Warum nicht ehrlich sein und die Fakten, die jeder kennt, offen sagen können: Ich brauche die Arbeit wegen der Bezahlung -denn beschäftigen kann man sich auch so- Ich kann das, was sie suchen und sie suchen, was ich kann. Zudem finde ich sie sympathisch und kann mir eine Zusammenarbeit gut vorstellen. Punkt und Fertig. Was man da manchmal in Gesprächsratgebern liest, traut sich nicht mal der schwulstigste Theaterregisseur zu inszenieren.

    Oft spiele ich mit dem Gedanken, mich selbstständig zu machen. Aber hier, in dieser Gegend? Ein weiterer von vielen zu werden, die gerade noch so mit dem Hals aus dem Wasser ragen können? Zudem besitze ich ungefähr soviel ökonomisches Feingefühl und unternehmerisches Gespür, wie Winnie Puuh. Nun gut, im Studium stand ich in Projektmanagement und markorientiertem Handeln auf »sehr gut«…aber die Praxis beansprucht erfahrungsgemäß andere Lehrmeister als die Theorie.

  3. Was Schriftform und Bewerbungsgespräche angeht muss ich dir recht geben, dazu kommt dann noch so Schwachsinn wie das qualifizierte Arbeitszeugnis. Das muss ja bekanntlich positiv sein, also verstecken die Arbeitgeben die negativen Punkte in positiven Floskeln um dann vom schlauen Ex-Arbeitnehmer verklagt zu werden, weil er das auch nicht darf. Wozu dann überhaupt so ein Wisch?

    Aber sowas ist eben auch typisch menschlich und vielleicht auch typisch deutsch…

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